Als der lang ersehnte Sohn um zehn Uhr morgens nach sieben Töchtern auf die Welt kam, führte der 47-jährige Vater Freudentänze auf und ließ sofort ein Fass Freibier aufmachen. Er war Pächter einer Brauerei, ein angesehener Mann, arbeitsam, intelligent, ein leidenschaftlicher Jäger und Musiker. Von ihm erbte der Sohn nicht nur die kleine, zierliche Statur, sondern auch die Freude an der Musik.

In seinem Tagebuch, das er mit 16 Jahren begann, heißt es: Als ich das vierte Jahr erreichte, lehrte mich der Vater Takt zur Musik. Im 5. Jahre ging ich zur Schule, lernte dabei aber Violin und Pianoforte. Im 7ten Jahr gab ich bei einer Akademie die Ouverture zu Stummen zum besten ...

Sein Tagebuch schrieb er in deutscher Sprache, die der Vater nur unvollkommen sprach. Deutsch war zu der Zeit die Schreibsprache der Gebildeten. Weil der Pachtvertrag mit der Brauerei auslief, versuchte der Vater, als Landwirt eine neue Existenz zu gründen, und erwarb ein Gut mit einem weitläufigen, schlossartigen Haus, mit viel Platz für die große Familie. Den Sohn schickte er auf deutsche Gymnasien, um sein Deutsch zu verbessern. Wegen seiner böhmelnden Aussprache wurde er von den Mitschülern ausgelacht. Das verletzte ihn so sehr, dass er von da an den Unterricht schwänzte.

Als dies der Vater erfuhr, war er ... aufs peinlichste betroffen, eilte zu mir und - soll ich's gestehen? Ja, ich sag's: gab mir eine Ohrfeige. Die erste und letzte Gabe dieser Art, die mir mein Vater verabreichte - Du fährst nach Hause ...

Nach Schulabschluss, mit 21 Jahren, ging er nach Prag, wo er unbedingt Geld verdienen musste, um sich über Wasser halten zu können. Aus der größten Not rettete ihn das Angebot des Grafen von Thun-Hohenstein, seine fünf Kinder zu unterrichten. Er bekam dafür 300 Gulden im Jahr. Dieses Geld ermöglichte ihm, selbst Unterricht bei einem angesehenen Lehrer zu nehmen. Nach dreieinhalb Jahren beschloss er, als freier Künstler zu arbeiten. Aber trotz eines guten Anfangs blieb der Erfolg aus, und seine Lage verschlechterte sich zunehmend.

Da schrieb er einen Brief an Franz Liszt, den er nicht persönlich kannte. Er legte dem Brief sein jüngstes Werk bei.

Euer Wohlgeboren! Im vollen Vertrauen auf Ihre weltbekannte Großmuth und Güte, wage ich es, dieses kleine Geistesprodukt Ihnen zu widmen ... Meine Conditionen bringen mir monatlich 12fl. Cm., so daß ich gerade soviel habe, um nicht zu verhungern. Meine Compositionen kann ich nicht drucken lassen, weil ich darauf zahlen müßte ... Nun stehe ich vor Ihnen bittend, dieses Werk gütigst anzunehmen und drucken zu lassen! Doch noch eine Bitte wage ich: meine jetzige Lage ist - schrecklich, Gott möge jeden Künstler vor solcher bewahren! - Doch sehr leicht könnte ich mir eine Existenz verschaffen, die mich zum Glücklichsten auf Erden machen würde, da ich im Stande wäre ... eine Musikbildungs-Anstalt errichten zu können ..., und er bittet ihn um Geld, und er möge schnell antworten, denn in einigen Wochen könnte es vielleicht - keinen (Bittsteller) ... mehr geben.