S T R O M Bestens verdrahtet

Geschickt rekrutiert E.on Personal aus der Politik

Es war der frühere Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder, der 1989 den Verzicht der Atomindustrie auf die nationale Wiederaufarbeitungsanlage für Nuklearmüll im bayerischen Wackersdorf verkündete - und gegen den Widerstand des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und seines Umweltministers Klaus Töpfer auch durchsetzte. Wenig später konfrontierte von Bennigsens Nachfolger, Klaus Piltz, gemeinsam mit Gerhard Schröder, damals niedersächsischer Ministerpräsident, die unionsgeführte Bundesregierung mit der Initiative für einen nationalen Energiekonsens. Viele Jahre später, im Sommer 2000, trug der Vorstoß mit der zwischen Rot-Grün und den Betreibern der Atomkraftwerke getroffenen Vereinbarung schließlich Früchte. Hartmann beurteilte den Deal, der inzwischen Gesetzeskraft erlangt hat, als "pragmatische Vereinbarung über den Weiterbetrieb und die Entsorgung der deutschen Kernkraftanlagen".

Ein Lobbyist "berät" die SPD

Womöglich hat die Zufriedenheit des E.on-Managers auch Gründe, die mit einer vorausschauenden Personalpolitik des Energieversorgers zu tun haben. Für die E.on-Vorgänger Veba und Viag verhandelten den "Atomausstieg" nämlich zwei ehemalige hochrangige Beamte, bestens vertraut mit den Gepflogenheiten des Politikbetriebs: Walter Hohlefelder, bis 1994 Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, anschließend in leitender Position bei Veba tätig und mittlerweile im Vorstand von E.on-Energie; und Gerald Hennenhöfer, Hohlefelders Nachfolger als Abteilungsleiter im Umweltministerium, für den der grüne Umweltminister Jürgen Trittin nach dem Regierungswechsel im Herbst 1998 keine Verwendung mehr hatte. Bei Viag fand Hennenhöfer ein neues Betätigungsfeld. Die Konsensvereinbarung trägt seine Paraphe - und die von Hohlefelder. Der Gesetzgeber konnte das daraus entstandene "Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung" übrigens nur noch absegnen. Die Atomnovelle, sagt ein Abgeordneter, sei "das Jüngste Gericht für das Parlament" gewesen.

Hohlefelder und Hennenhöfer sind indes längst nicht die prominentesten Zugänge aus der Politik. So wirkt seit Oktober 2000 die ehemalige Grünen-Sprecherin Gunda Röstel für Gelsenwasser, die "grüne Seele E.ons", wie die Expolitikerin sagt. Petra Uhlmann, früher christdemokratische Umweltministerin in Mecklenburg-Vorpommern, ist Pressesprecherin bei E.on-Energie. Und der zum Veba-Konzern gehörenden PreussenElektra gelang es 1994 sogar, einen früheren Ministerpräsidenten, SPD-Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten zu engagieren: Björn Engholm. Der Sozialdemokrat beriet das Stromunternehmen bei seinen Planungen für einen baltischen Energieverbund. Engholm sei dabei aufgrund seiner Kontakte und seiner persönlichen "Hansephilosophie" sehr wertvoll, ließ PreussenElektra seinerzeit wissen.

Als vielleicht noch wertvoller erweist sich seit einiger Zeit eine weitere Neuerwerbung von E.on: Gert von der Groeben, Generalbevollmächtigter des Unternehmens. Er gilt in Berlin als Primus inter Pares der Energielobbyisten, als "Stratege mit ausgezeichneten Kontakten", wie der SPD-Energiepolitiker Volker Jung sagt, der ihn bestens kennt. Von der Groeben war bis zum Ende der sozial-liberalen Koalition im Jahr 1982 Vertrauter der früheren Forschungsminister Hauff und von Bülow. Später wurde er Energiereferent der SPD-Bundestagsfraktion und formulierte unter anderem die Positionen zur Atompolitik und zum neuen Energierecht mit.

Als es nach dem Wechsel zu Rot-Grün mit dem von der Groeben in Aussicht gestellten leitenden Posten im Regierungsapparat nicht klappte, offerierte E.on dem Polittalent ein angemessenes Betätigungsfeld. Seitdem zieht von der Groeben im Auftrag des Konzerns die Strippen, wenn es um heikle energiepolitische Vorhaben geht. Hilfreich ist ihm dabei das über viele Jahre gesponnene Netzwerk in die SPD-Fraktion hinein - und sein Wissen über die "Leichen" so mancher Abgeordneten, wie sich einer von ihnen ausdrückt. Sein größter Erfolg war es, das rot-grüne Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung wesentlich entschärft zu haben. Derzeit "berät" von der Groeben seine sozialdemokratischen Freunde dabei, einen neuen energiepolitischen Sprecher zu finden.

Bleibt Werner Müller, der früher selbst einmal für Veba die Fäden in die Politik spann. Nun ist der parteilose Wirtschaftsminister, von 1980 bis 1997 in Diensten des Unternehmens, für E.on zur zentralen Figur in einer heiklen Angelegenheit geworden: Er muss darüber entscheiden, ob E.on die Mehrheit bei Ruhrgas übernehmen darf. Ist der Mann befangen? Müller werden Ambitionen nachgesagt, zu E.on zurückzukehren; auch für einen Posten bei RWE war er freilich schon im Gespräch. Tatsache ist: Müller verließ Veba im Streit. Dennoch ist das Verhältnis so ungetrübt, dass sich der Wirtschaftsminister im Februar vergangenen Jahres ausgerechnet in der Düsseldorfer E.on-Zentrale mit seinem Kollegen Walter Riester zu einer vertraulichen Aussprache über die geplante Novelle des Betriebsverfassungsgesetzes traf. Sein Credo hat der Minister bereits zu Protokoll gegeben: Deutschland brauche "einige Global Players".

 
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