Stimmt’s? Scharf und blöd?
Können Sie herausfinden, was an dem Spruch dran ist, dass "Senf dumm macht"? Rolf-Joachim Lamprecht, Jersbek
Was den Senf so scharf macht, sind die in ihm enthaltenen so genannten Isothiozyanate, auch Senföle genannt. Die sind in höheren Dosen durchaus als Gift zu bezeichnen. In der Konzentration, in der sie in Senf, Meerrettich und Kresse vorliegen, ist ihre Wirkung dagegen eher positiv. Sie können zum Beispiel bei Harnwegsinfektionen antibiotisch wirken. Auch die äußere Anwendung von Senf wird gegen allerlei Zipperlein empfohlen, und die heilsame Wirkung der ätherischen Öle ist teilweise auch durch wissenschaftliche Studien belegt worden.
Es gibt auch die so genannten cyanogenen Senföle, die der Körper zu Blausäure abbaut. Deren Verzehr kann tatsächlich zu Gehirnschädigungen führen. Aber anders, als der Name vermuten lässt, sind diese Senföle im Senf gar nicht enthalten, sie kommen in Naturprodukten wie Bittermandeln und Bambussprossen vor.
Ob der Volksmund jedoch so viel von Chemie versteht, dass ihm diese Verwechslung unterlaufen konnte? "Unsere Großmütter und -väter kannten diesen sachlichen Hintergrund nicht", sagt Roswitha Behland vom Senfhersteller Kühne. Sie glaubt, dass der Spruch nur dazu diente, Kinder vom Griff in den Topf mit (süßem) Senf abzuschrecken. Christoph Drösser
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder
stimmts@zeit.de
. Das »Stimmt’s?«-Archiv:
www.zeit.de/stimmts
Audio:
www.zeit.de/audio
- Datum 28.02.2002 - 13:00 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle (c) DIE ZEIT 10/2002
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