Hubert Hüppe, christlicher Lebensschützer und CDU-Abgeordneter im Bundestag, musste den Triumph sofort verkünden. Die Enquete-Kommission Recht und Ethik der modernen Medizin, der Hüppe angehört, hat die Präimplantationsdiagnostik (PID) abgelehnt: 16 zu 3 Stimmen gegen die Gentests an menschlichen Embryonen im Reagenzglas. Damit beginnt sich in der PID-Debatte ein Muster abzuzeichnen, das bereits aus dem Streit um die Stammzellen bekannt ist: Die eher fortschrittskritische Enquete-Kommission lehnt die umstrittene Technik ab. Der Nationale Ethikrat, der am heutigen Donnerstag erstmals darüber berät, dürfte zu einem positiveren Ergebnis kommen. Am Ende steht, wie gehabt, die fraktionszwangfreie Gewissensprüfung der Bundestagsabgeordneten - mit einem entschiedenen "Jein, aber ...".

Während sich so in Deutschland der nächste biopolitische Grundsatzstreit anbahnt, löst man in Großbritannien dieselben Fragen ganz pragmatisch. Dort hat soeben eine Behörde einem Elternpaar erlaubt, ihr im Labor zu zeugendes Kind nicht nur auf eigene Erbschäden, sondern auf seine Tauglichkeit als Zellspender für einen kranken Bruder testen zu lassen.

Ein Dammbruch? Nein, sagen die Briten, eine Einzelfallentscheidung. Das ist der Unterschied: Die britische Gesetzgebung steckt nur den Rahmen, über das einzelne Schicksal, das Gesetze nicht erfassen können, beraten Menschen.

Dieses Vertrauen in demokratisch legitimierte Institutionen scheint den Deutschen zu fehlen. Darum errichten sie Dämme - vor allem gegen die eigene Angst.