Das Amerika der reinen Herzen

Die US-Regierung kennt nur Gut und Böse. Doch ein Polizeistaat ist nicht zu befürchten von Jedediah Purdy

In einer Erklärung hat eine Gruppe von sechzig amerikanischen Intellektuellen in maßvollen Worten den amerikanischen Krieg gegen die Terrororganisation Al-Qaida und die mit ihr verbündeten Taliban verteidigt.

Wofür sie kämpften, so die Autoren, das seien jene amerikanische Grundsätze, die zugleich die universalen Prinzipien aller modernen Gesellschaften bildeten: Jeder Mensch besitzt dieselbe Würde

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zwischen "richtig" und "falsch" bestehen tatsächliche und dauerhafte Unterschiede

weil aber Wahrheiten nicht von vornherein feststehen, sind Toleranz und Zivilität notwendige politische Tugenden

die Freiheiten von Gewissen und Glauben sind unantastbar. Wer unschuldige Menschen im Namen einer absolut gesetzten Doktrin opfere, schließe sich automatisch aus der Gemeinschaft aus, die auf diesen Werten gründe. Das Manifest der sechzig Intellektuellen sieht den Krieg gegen Al-Qaida als die Verteidigung des gesellschaftlichen Lebens selbst.

Die Autoren des Dokuments stammen aus unterschiedlichen Lagern. Zu ihnen gehören Linke wie der Philosoph Michael Walzer, linksliberale Gelehrte, aber auch Konservative. Unterschrieben haben der Politikwissenschaftler Samuel Huntington, Urheber der These vom Kampf der Kulturen, sowie der neokonservative Hegelianer Francis Fukuyama, der in den frühen neunziger Jahren das "Ende der Geschichte" ausrief. Nicht alle Unterzeichner sind Wissenschaftler

auch politische Aktivisten und ein ehemaliger Senator sind dabei. Ihre gemeinsame Absicht bestand darin, einem kritischen Patriotismus Ausdruck zu verleihen, der einerseits dem nationalen Interesse der USA gerecht werden soll, andererseits aber amerikanisches Handeln an den höchsten Werten dieser Nation und der Welt misst. Die Autoren betonen, dass einige unter ihnen Aspekte der amerikanischen Kultur wie den zügellosen Konsum oder den Individualismus ablehnen. Zugleich warnen sie davor, den Krieg als legitimes Mittel auch gegen Gefahren zu betrachten, die "durch Verhandlungen, durch Appelle an die Vernunft, durch die Vermittlung Dritter oder andere gewaltfreie Methoden" abgewendet werden könnten. Am Ende des Papiers heißt es: "Wir geloben, alles in unserer Macht stehende zu tun, um schädliche Versuchungen wie Arroganz und Abenteurertum abzuwehren, denen Nationen im Krieg so häufig erliegen."

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  • Schlagworte Abraham Lincoln | USA | Samuel Huntington | Terrorismus | USA | Uiguren
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