Als Robert Tools aufwacht, blickt er in grelles Licht. Vor seinen Augen schweben zwei Rechtecke, die ihn blenden. Unter sich spürt er etwas Weiches.

Er hört ein zischendes Geräusch, das immer wieder aussetzt und neu anschwillt. Er hört auch ein leises Tropfen. Seine Kehle ist blockiert, aber sein Brustkorb bewegt sich. Er atmet, das nimmt er wahr, aber er merkt auch, dass die eigene Kraft dafür nicht reicht.

Der Katholik Robert Tools stellt fest, dass er nicht im Jenseits ist.

Könnte er sich in seinem Bett aufrichten, Tools blickte durch eine Wand aus Glas auf eine Konsole voller Computerschirme, auf Männer und Frauen in weißen Kitteln. Er sähe sie neben dem Bett an einer grauen Säule hantieren, von der sich Schläuche und Kabel aus durchsichtigen Flaschen und elektrischen Geräten zu seinem Körper ziehen. Könnte Tools sich umdrehen, er blickte durch ein breites, von Blechlamellen vor Sonnenlicht geschütztes Fenster auf eine Schotterfläche. Auf dem Dach des Gebäudes gegenüber ist die amerikanische Flagge aufgesteckt, sie weht im Wind. An der Wand des Zimmers hängt eine große Uhr. Ihr roter Sekundenzeiger bewegt sich lautlos.

Robert Tools' erster Gedanke ist: "Danke, Gott." Er hat die Operation überlebt. In ihm schlägt jetzt ein Herz aus Kunststoff und Titan mit dem Markennamen Abiocor. Sein Herz war krank, ohne das neue wäre er wohl tot. Er ist der erste Mensch, der dieses Herz in sich trägt, das Resultat jahrzehntelanger Forschungsarbeit. Die Ärzte hatten es zuvor nur an Tieren ausprobiert, hatten das Einsetzen an Leichen geübt. Sie wussten nicht einmal, ob es ausreichend Blut pumpen würde. Sie wissen nicht, wie lange es durchhalten wird. Tools ist das egal. Er freut sich über jede Sekunde, die der Zeiger an der Uhr vorrückt, auch wenn er nicht weiß, wie viel Zeit ihm bleibt.

Es ist der 2. Juli 2001: der Tag, an dem im Jewish Hospital in Louisville, US-Bundesstaat Kentucky, Robert Tools' zweites Leben beginnt. Seine Frau Carol ist bei ihm auf der Intensivstation. Was sie sieht, ist für sie schwer zu ertragen: Er liegt unter zwei gleißenden Neonlampen, um ihn herum Maschinen. Vierzehn Schläuche und Kabel, zählt sie, führen zu seinem Körper.

Er kann nicht sprechen aus seinem Mund ragt der Schlauch eines Beatmungsapparats. In der 20 Zentimeter langen Naht in der Brust stecken Schläuche, durch die Blut und Wundflüssigkeit abfließen. Unterhalb des Halses sind drei Katheter in Arterien eingeführt sie messen den Blutstrom in den Herzvorhöfen. Aus Infusionsflaschen tröpfeln Medikamente in eine Kanüle am Handgelenk.