Spätestens dann, wenn Gerhard Schmid, Gründer und noch immer Hauptaktionär von Mobilcom, moderate Töne anschlägt, wird's ernst. Eine "ganz normale Zusammenarbeit" verbinde ihn mit Michel Bon, dem Chef von France Télécom. Der Telefonriese aus dem Nachbarland hält 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Unternehmen. Mit seiner Beschwichtigung wollte Schmid vergangene Woche noch den eskalierenden Konflikt begrenzen, der die Allianz der beiden zu sprengen droht. Vergeblich, wie es aussieht. Bon reagierte harsch. Er drohte mit gerichtlichen Schritten, falls es keine Einigung in den stittigen Punkten gäbe. Eine Kriegserklärung.

Am Wochenende fand dann auch Schmid zu seiner alten Form zurück. In gewohnt ruppigem Ton machte er seinem Ärger Luft. Vom Magazin Focus ließ er sich mit den drastischen Worten zitieren: Die Franzosen "werfen mit Dreck auf Deutschland". Starker Tobak.

In Friedenszeiten planten die beiden, gemeinsam ins erhoffte Milliardengeschäft mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS einzusteigen. Michel Bon sah die Chance, seinem Erzrivalen Ron Sommer, dem Chef der Deutschen Telekom, auf dessen Terrain Paroli bieten zu können. Schmid, der in Deutschland wie kein anderer den Telefonmarkt aufgemischt hat, schien der passende Partner. Nicht gerade konfliktscheu, überraschte er immer wieder mit seinen kühnen Plänen. Genau die aber lösen bei Michel Bon inzwischen mehr Ärger als Begeisterung aus.

Nicht einig werden können sich die beiden über das Tempo, mit dem Schmid hierzulande ans UMTS-Werk gehen will. Schmid plant, das neue Mobilfunknetz möglichst schnell aufzubauen, um als einer der Ersten an den Start zu gehen.

Dazu aber braucht er viele Milliarden Euro, die er selbst nicht hat. Deshalb entschloss er sich zur Liaison mit dem französischen Partner. Der hatte sich im Vereinigungstaumel sehr großzügig gezeigt.

Rund 3,5 Milliarden Euro ließ sich Michel Bon den Einstieg bei Mobilcom kosten

noch nicht ahnend, dass der Aufwand für die notwendige Lizenz schwindelerregende Höhen erreichen würde. Nach der spektakulären Versteigerung der Frequenzen wurden rund acht Milliarden Euro allein für die Erlaubnis fällig, einen Fuß auf den Zukunftsmarkt in Deutschland setzen zu dürfen. Mobilcom muss nicht nur diese Summe finanzieren. Der Aufbau des Netzes wird weitere Milliarden verschlingen. Mit France Télécom im Rücken schien das alles kein Problem. Die Franzosen hatten schließlich zugesagt, die Pläne in den nächsten Jahren mit stattlichen zehn Milliarden Euro zu sichern.