Ein geduldig Werk ist die Vollendung des deutschen Hochschulniedergangs.

Er folgt dem Evolutionsprinzip des Mittelmaßes: Keine Berufungskommission findet die Kraft, ein Genie zu berufen, es sei denn, die Frauenbeauftragte entdeckt eines. Und wenn's nicht schnell genug in den Abgrund geht, hilft immer noch ein Ministerwort.

Jüngst hat Hans Zehetmair, CSU, Bayerns Wissenschaftsminister, seinen 60-jährigen Parteifreund Heinrich Oberreuter, Direktor einer Heim-Volkshochschule in Tutzing und nicht habilitierter Professor in Passau, auf einen Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft am Geschwister-Scholl-Institut der Münchner Universität berufen. Der Erwählte und Mitarbeiter so bedeutender Fachzeitschriften wie Die Realschule und Informationen für die Truppe hat den Ruf angenommen. Die Stellenausschreibung vor zwei Jahren hatte rein gar nichts mit den bescheidenen akademischen Qualifikationen des Protegés zu tun: Er zählt zur grauen Schar jener Politologen, die, statt in die Politik zu drängen, den pensionssicheren Weg ihrer Beratung vom Lehrstuhl aus gewählt haben.

Die Münchner Berufungskommission hatte seine Bewerbung mit einem feinen Lächeln abgelehnt. Der Minister hingegen, der gerade den Vertrag des 60-jährigen Münchner Museumsdirektors Vitali "aus Altersgründen" nicht verlängert hatte, fiel wider alles Hochschulrecht - das Berufungen nach dem 52. Lebensjahr untersagt - mit einem Oktroi dem Votum der Professoren in die Parade. Jetzt ist der mutige Rektor der Universität gefordert: Er muss gegen den Minister klagen.

Das arme Geschwister-Scholl-Institut hatte einst einen internationalen Ruf unter seinen Gründern Eric Voegelin und Hans Maier

später stieß Kurt Sontheimer dazu: Der Erste war aus der amerikanischen Emigration zurückgekehrt - neben Leo Strauss zählt er heute zu den großen Philosophen der episteme politike. Sein Gesamtwerk liegt inzwischen in 26 Bänden vor. Der Zweite wurde der bedeutendste deutsche Kultusminister seit 1949. Voegelin verließ das Institut 1969. Er konnte es nicht mehr ertragen, "mit dem braunen Gesindel" der staatswissenschaftlichen Fakultät an einem Tisch zu sitzen. Da dachte er an den Verfassungsjuristen Maunz, Rechtsberater von bayerischen Neonazis bis zu seinem Tod.

Es gehört zum Berufsbild von Politikern, gegen Windmühlen anzureiten.