schließlich Sieg über die "Achse des Bösen", eine widersinnig zusammengewürfelte Gruppe von Staaten. Irak, Iran, Nordkorea - jeder Einzelne von ihnen bietet Anlass zu Wachsamkeit, aber bilden sie alles andere als eine "Achse".

Doch nicht nur die Definition der Kriegsziele, auch die Kriegsführung lag ausschließlich in der Hand der Amerikaner. Wohl hatte die Nato zum ersten Mal in 52 Jahren den Bündnisfall ausgerufen, aber danach wurde sie völlig aus dem Spiel gedrängt. Selbst wenn die Europäer mit größeren militärischen Fähigkeiten hätten aufwarten können - das Pentagon wollte sie gar nicht dabeihaben. Von Anfang an wurden sie nur lückenhaft und unregelmäßig konsultiert. Die Amerikaner mochten sich nicht wieder - wie vor drei Jahren im Kosovo-Krieg - dauernd hineinreden lassen. Die Supermacht pochte auf ihre Handlungsfreiheit. Doch wozu ist ein Bündnis nütze, wenn es im Bündnisfall einfach beiseite geschoben wird?

Bush kehrt den Texaner raus

Handlungsfreiheit ist der Schlüsselbegriff im weltpolitischen und geopolitischen Denken des US-Präsidenten. Darin verbinden sich verschiedene amerikanische Traditions- und Argumentationsstränge.

An erster Stelle steht jener Endzeitgedanke, den William Pfaff so beschreibt: "Wir stehen dem absoluten Bösen gegenüber

wenn wir hier (in Vietnam, in Nicaragua et cetera) nicht obsiegen, werden unsere Schutzmauern gegen die Unordnung und das Böse überall einstürzen." Eisenhowers "Dominotheorie" aus dem Jahre 1954 liefert dafür ein treffendes Beispiel: "Wenn Sie eine Reihe Dominosteine aufstellen und dann den ersten umstoßen, dann kippt schnell auch der letzte um!" Besser ein für alle Mal aufräumen, die Welt sicher machen für die Demokratie (Wilson), das Reich des Bösen niederzwingen (Reagan), den Terrorismus mit Stumpf und Stiel ausrotten (Rumsfeld).

Hinzu kommt der amerikanische Missionsdrang. "The cause of America is the cause of all mankind." Also fällt Präsident McKinley auf die Knie und folgt der Weisung Gottes, die Philippinen zu annektieren, zu erziehen und zu christianisieren. Also werden Kriege, die den realpolitischen Notwendigkeiten des nationalen Interesses entspringen, zu "Kreuzzügen" überhöht - gegen den Kaiser, gegen Hitler, gegen bin Laden. Also sucht Amerika die Welt nach seinem Ebenbilde umzuformen, "die Bibel in einer Hand, den Revolver in der anderen", wie Jacques Delors einmal bissig anmerkte. Das Kreuzzugdenken steht quer zu jeglichem Kompromiss. Es erlaubt keine Nuancierung, keine Differenzierung. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, sagte der Kalte Krieger John Foster Dulles. Nicht anders sagt es heute Bush junior.