Schließlich ist dem amerikanischen Denken immer ein Schuss Isolationismus beigemengt. Isolationismus hieß ja nie Abkehr von der Welt. Wa-shington und Jefferson, die ihr junges Land vor "entangling alliances" warnten, vor verstrickenden Bündnissen zumal mit Europa, kam es in erster Linie darauf an, Festlegungen oder Verpflichtungen zu vermeiden und sich die eigene Handlungsfreiheit zu bewahren. Darum ging es auch 1951, als der Historiker Arthur Schlesinger und der Journalist Richard Rovere vor den hochfliegenden Plänen des bald danach von Präsident Truman abgesetzten Generals MacArthur warnten und dabei den Begriff "Unilateralismus" prägten: "Unilateralismus ist der neue Isolationismus. Mach's im Alleingang

setze gegen Stärke maximale Gegenstärke

es gibt keinen Ersatz für den Sieg

zerbrich dir nicht den Kopf wegen der Folgen - dies sind die Credos des neuen Glaubens. Es schafft Männern mit einer Weltvision oder mit messianischen Neigungen Auslauf." - "We do it all by our little selves", war Ronald Reagans schlichte Übersetzung des Begriffs Unilateralismus.

Bei George W. Bush kommt ein Weiteres hinzu. Zwei Seelen streiten, ach, in seiner Brust: die des Yale-Absolventen und die des Texaners. Der Yale-Mann sagte im Wahlkampf 2000: "Wenn wir eine arrogante Nation sind, wird man uns so sehen, wenn wir aber eine demütige Nation sind, wird man uns respektieren." Seit dem 11. September jedoch kehrt der Präsident den Texaner heraus.

Bushs Popularitätskurve ist in stratosphärische Höhen gestiegen

sie erreicht fortwährend zwischen 80 und 90 Prozent. Damit hat er freie Hand. Und es ist wieder Wahljahr: Im November geht es um ein Drittel des Senats und das ganze Abgeordnetenhaus. Auf keinen Fall will Bush den Fehler seines Vaters im Jahre 1992 wiederholen und die Gefolgschaft der Rechten, der Christian majority, der neuen Kalten Krieger verlieren, die im Terrorismus den Angstgegner sehen, ohne den Amerika offenbar nicht auskommt. Deshalb appelliert Bush an jene "reizbare Vaterlandsliebe", von der schon Tocqueville schrieb, es gebe im American Way of Life nichts Lästigeres als sie. Deswegen ergibt er sich einem Aufrüstungswahn, der in keinerlei Verhältnis zu der tatsächlichen Herausforderung des Terrorismus steht: Um 48 Milliarden Dollar wird der US-Verteidigungshaushalt in diesem Jahr aufgestockt (Scharpings ganzer Wehretat ist nicht einmal halb so groß). Von 2003 an wird Amerika täglich eine Milliarde Dollar für sein Militär ausgeben. Aus demselben Grunde lässt er die Nato-Verbündeten links liegen und beschimpft die europäische Elite als "knieweich". Die Washington Post zitiert den Präsidenten so: "Irgendwann könnten wir allein dastehen. Mir ist's recht. Wir sind Amerika."