München/Berlin

Ach, die Geschichte mit dem Schnellzug. Am liebsten wäre es ihm, wenn endlich Gras über die Sache wüchse. Doch man weiß wenig von Walter Schön. Deshalb taucht die Geschichte immer wieder auf.

Es war spät an einem Freitagabend, vor mittlerweile vierzehn Jahren. Walter Schön war damals Landtagsbeauftragter der Bayerischen Staatskanzlei, und er befand sich auf dem Rückweg von einer Dienstreise nach München. Als der Schnellzug den Vorort Gröbenzell passierte, forderte Schön den Zugführer auf, er möge dort, in seinem Wohnort, halten. Eine "Bierlaune" sei das gewesen, sagt er heute und bemüht sich um etwas Demut in der Stimme. Damals müssen seine Worte anders geklungen haben. Denn der Stopp war nicht vorgesehen, der Zug hielt trotzdem - und Schön lebt seitdem mit dem Ruf eines besonders durchsetzungsstarken, aber auch eines besonders anmaßenden Beamten.

Geschadet hat ihm die Geschichte dennoch nicht. Im Gegenteil. Schöns Weg führte steil bergan. Heute steht er als Amtschef an der Spitze der Bayerischen Staatskanzlei. Im Hause Edmund Stoibers bekleidet der Jurist die höchste Stelle, die unterhalb der politischen Ebene vergeben wird. Schön ist Koordinator, Strippenzieher, Majordomus. Ein brillanter Kopf, der gleichermaßen geschätzt wird und gefürchtet. Vor allem aber zählt Schön zu den Vertrauten Edmund Stoibers - einer von höchstens einer Hand voll Mitarbeitern, die den Kanzlerkandidaten der Union seit vielen Jahren in der Politik begleiten. Schön hat jederzeit Zugang und wird von Stoiber fast täglich um Rat gefragt. Der 52-Jährige ist "die wichtigste Figur im System Stoiber". So jedenfalls sehen es die meisten Christsozialen in Berlin und München.

Der Betroffene spricht ungern über seinen Einfluss. Berater? Einflüsterer?

Vertrauter? "Laufbahnbeamter" sei er, sagt Schön. "Das Küchenkabinett ist ein Klischee, das gibt es nicht. Die Aufgabe eines Beamten ist es nicht, im Vordergrund zu agieren. Es ist angemessen, wenn wir nicht erscheinen."

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