Was liegt für den Fußball-Weltverband Fifa näher, als das echte Geschäftsleben mit einem spannenden Fußballspiel zu vergleichen? Wer sich bei der Fifa danach erkundigt, was sie von den Verhandlungen über die TV-Übertragungen der nächsten Weltmeisterschaft hält, bekommt die Antwort: "Wir schauen genau zu und warten aufs Ergebnis. Dann können wir viel mehr sagen, wie es weitergeht." Gemeint ist das Verhältnis zu Leo Kirch, der finanziell in argen Nöten steckt und als offizieller Medienrechte-Vermarkter der Fußball-WM fungiert.

Dabei ist für die Fifa gar nicht die wirtschaftliche Krise ihres Partners das vorrangige Problem. Vielmehr geht es dem Verband darum, die Irritationen zu beseitigen, die Kirch im Zusammenhang mit der bevorstehenden WM verursacht hat.

Wie die Kirch-Gruppe jetzt gegenüber der ZEIT bestätigte, hat es eine schwere Verhandlungspanne gegeben, die das Medienunternehmen viele Millionen Euro kosten wird: 1998 hatte man dem Bezahlfernsehen Via Digital, einer Tochter des Telekomkonzerns Telefonica, die exklusiven Senderechte für Spanien verkauft - für mehr als 180 Millionen Euro. Dabei schien Kirch vergessen zu haben, dass auf der iberischen Halbinsel via Satellit ausländische Free-TV-Sender empfangbar sind. Zum Beispiel ARD und ZDF. Weil abzusehen war, dass sich viele Einheimische und vor allem die vielen Deutschen in Spanien während der WM für das gebührenfreie Angebot aus dem Ausland entscheiden würden, schlug Via Digital im vergangenen Dezember Alarm.

Die Kirch-Gruppe bestreitet inzwischen nicht mehr, dass sie Via Digital zu große Versprechungen gemacht hat. Die Exklusivitätsgarantie müsse relativiert und zum eigenen Nachteil neu verhandelt werden, bestätigt eine Sprecherin.

"Wir werden das schnell klären und im Zuge anderer Verträge regeln." Offenbar strebt Kirch an, Via Digital einen Preisnachlass für die Ausstrahlungsrechte der WM 2006 zu gewähren. Die Spekulationen darüber, wie groß für Kirch der Verlust durch die Vertragspanne sein wird, variieren unter Branchenbeobachtern in Deutschland und Spanien zwischen 15 und 50 Millionen Euro.

Deutsche Zuschauer ausgesperrt Wenn das für mehrere Länder gilt, wäre das bitter, denn der Verkauf der TV-Rechte am Fußballturnier zählt zu den wenigen Geschäften, aus denen Kirch hohe Überschüsse zu erwarten hatte. Mit ihnen könnte er einige seiner gewaltigen Schulden begleichen (siehe Kasten).

Schnellstens muss er jetzt zusehen, dass es beim WM-Start am 31. Mai nicht zu einem ähnlichen Eklat kommt wie schon am 1. Dezember 2001. Damals wurde dem ZDF in buchstäblich letzter Minute untersagt, live aus Korea die Auslosung der WM-Gruppengegner zu übertragen. Tausende deutscher Zuschauer waren sauer, als sie wegen "signaltechnischer Probleme" keine Bilder empfingen. Es machte sich die Angst breit, dass Deutschland auch während der WM in die Röhre gucken müsse. Die Fifa bezeichnet den Vorfall noch immer als "sehr irritierend und peinlich". So etwas dürfe sich nicht wiederholen.