DE0004413299C2: ein deutsches Trauerspiel. Unter dieser Kombination aus Zahlen und Buchstaben ist beim Deutschen Patentamt in München die Idee eines Dresdener Ingenieurs hinterlegt, der glaubte, endlich den Dreh rauszuhaben.

Vorrichtung zum Füllen, Wickeln und Verschließen von Rollmöpsen lautet der Titel der Patentschrift von 1994. Diplomingenieur Eberhard Weckend verbrachte Jahre seines Lebens mit der Entwicklung seiner Rollmopsdrehmaschine. Doch am Ende musste auch er - wie alle Kollegen vorher und nachher - einsehen: Es geht nicht. Die Selektierung fleckiger Tomaten, die Entbeinung von Koteletts, selbst das Pulen von Krabben ist automatisierbar. Das Drehen des Heringslappens um ein Gürkchen und das anschließende Fixieren der Rolle durch Holzstifte bleiben bis auf Weiteres kostentreibende Handarbeit, vorbehalten den feinfühligen Händen fleißiger Rollmopsdreherinnen.

Von erstaunlichen lebensmitteltechnischen Anachronismen wie der manuellen Rollmopsproduktion liest man in einer soeben von Julien Huen et. al.

publizierten Untersuchung zum Stand der Automatisierung in der deutschen Lebensmittelindustrie. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart wollte von Lebensmittelproduzenten und Anlagenherstellern wissen, wie weit die Automatisierung in der jeweiligen Branche gediehen sei. Erstaunlich weit gingen die Antworten auseinander: So genannte pumpfähige Materialien, mit denen die Getränkeindustrie, die Backwarenhersteller und die Milchverarbeiter zu tun haben, vertragen sich gut mit Automaten. Diese aber scheitern immer wieder, wenn es um Produkte geht, die verschieden groß oder unterschiedlich konsistent sind. Pfifferlinge sortieren, Salatköpfe handhaben, Bratwürste verpacken, Truthähne zerlegen - bei all diesen Schritten melden die Betriebe Automatikbedarf an. Fleisch, mal weich, mal fest, mal von Speck, mal von soliden oder auch zerbrechlichen Knochen durchsetzt, gilt als besonders widerborstig: Während der Automatisierungsgrad beim Backen knapp 90 Prozent beträgt, wird er bei der Fleischproduktion auf gerade mal 25 Prozent geschätzt.

Labberige Sauerlappen Entsprechendes gilt für Fisch. Deutlich ins vergangene Jahrhundert gehören zum Beispiel die heute noch üblichen halb automatischen Fischenthäuter.

Manuell wird der Lachs zugeführt, eine Zahnwalze packt die Haut, ein scharfes Messer trennt sie ab. Bei Unachtsamkeit gerät aber auch mal der Bediener ins Gerät enthäutete Unterarme sind dann nicht selten. Natürlich braucht man für jede Fischart eine eigene Maschine. Ist der Fisch aber - wie etwa der Red Snapper - mit dicken Schuppen bestückt, scheitert auch der Halbautomat. Der im Übrigen auch bei geräucherten Forellen überfordert ist, weil er zu grob zu Werke geht. Gefragt ist also wieder: WoManpower.

Die Automatisierungsprobleme in der Lebensmittelindustrie illustriert aber tatsächlich am deutlichsten die Rollmopsproduktion. Das Bismarckheringsfilet (Fachbegriff: Sauerlappen) misst je nach Jahreszeit und Fanggebiet zwischen zehn und zwanzig Zentimetern. Es gibt dicke und magere Lappen zwischen 80 und 200 Gramm schwer sowie feste und labberige. Spätere Eins-a-Ware muss zusätzlich auf Flecken und mangelhaft entfernte Flossenteile untersucht werden. Das sind höchst komplexe Anforderungen an eine Maschine, die darüber hinaus auch noch die rechte Spannung in der Rolle hinkriegen müsste.