Die Suche nach dem perfekten Popsong geht in die nächste Runde. Und einmal mehr sind die Skandinavier drauf und dran, ihn zu finden: Eskobar, drei schwarz bekittelte Jungs aus Stockholm, haben sich zartbitteren Melodien verschrieben, sie mit einer gehörigen Portion Pathos angereichert und erobern damit jene Herzen, die für dunklen Britpop à la Suede oder Rialto schlagen.

Im Hamburger Schlachthof lassen sich die Schweden von ihrem Hang zum Drama fortreißen. Sie posieren im bläulichen Scheinwerferlicht, Rücken abgewandt, ganz Rockstar. Härter als auf den beiden Alben klingen Eskobars Stücke auf der Bühne, was ihnen gut bekommt und vor allem an Frederik Zälls druckvoller Gitarre liegt. Während der schmächtige Sänger Daniel Bellqvist Perlen wie On the Ground oder Someone new so innig, so entrückt vorträgt, dass er die Grenze zum Kitsch bisweilen überschreitet. Kein Vergleich zur alerten finnischen Vorgruppe The Crash. Ihnen gelingt das Kunststück, den eigentlichen main act an die Wand zu spielen - und zwar mit einem höchst eigenen Gemisch aus Stadionrock, Glamour und Françoise Hardy. Wann waren zuletzt so bombastische Tastenläufe auf dem Keyboard zu hören? Bei Rick Wakeman vielleicht? Mit Lauren caught my eye haben The Crash der Welt eine echte Hymne geschenkt, inklusive französischen Refrains und flinken Fingerspiels auf dem Griffbrett. Nur einen koketten Wimpernschlag entfernt von der Perfektion ist das, und es hört sich an wie ein Versprechen auf laue Sommernächte im Cabrio: wirklich trostreich in diesen nasskalten Wintertagen.

The Crash stammen übrigens aus einem Kaff ganz im hohen Norden Finnlands. Was abermals unterstreicht, dass ein Popsong vor allem immer ein Wechsel auf bessere Zeiten ist. Vier Finnen für ein Halleluja.