Führende Feuilletons sind natürlich noch viel schneller, aber mit dem Thema "Gentechnologie - Segen oder Fluch?" hat der Nachwuchsdramatiker Igor Bauersima immerhin auf dem Theater die Nase vorn: Er gibt diese Frage in seinem neuen, von ihm selbst in Hannover uraufgeführten Stück Futur de luxe einer fünfköpfigen, in der Sache bereits sensibilisierten, jüdischen Familie zu bedenken, die sich an einem Sabbatabend des Jahres 2020 zum Essen versammelt hat. Im Mittelpunkt steht der Vater Theo Klein, ein bedeutender Humangenetiker, der bei dieser Gelegenheit sein größtes Geheimnis lüftet: Vor 24 Jahren hat er seine beiden, als Zwillinge aufgewachsenen Söhne geklont, den einen als Double seiner selbst, den anderen - mithilfe einer in Formalin konservierten Führerreliquie - als zweiten Adolf Hitler. Klein tat es aus dem reinen, der jüdischen Erfahrung geschuldeten Drang nachzuweisen, dass das Böse sich nicht im Erbgut fortzeuge. Das Ganze ist kein Witz, auch für das Stück ist es kein Sprungbrett ins Aberwitzige, es ist heiliger Ernst. Fortan nieselt es Moralin. Bauersimas kleine Ethikkommission regt sich naturgemäß auf, allerdings nur, soweit es die Dialogerfordernisse dieses Konversationsstücks zulassen. Und Bauersima regt sich auch wieder ab. Die menschliche Erschütterung der Betroffenen hält sich doch sehr in Grenzen. Und mit einem ethisch mehrheitsfähigen Machtwort gelangt der als Sitcom verkleidete Besinnungsaufsatz an ein keineswegs zu frühes Ende.