Jeder Journalist träumt davon, wenigstens einen Minister zu stürzen.

Thomas Friedman von der New York Times scheint Größeres gelungen zu sein: der Geschichte einen Stoß zu verpassen. Dem saudischen Kronprinzen Abdallah, de facto Herrscher über das Land der Ölquellen und Qaida-Terroristen, entlockte er den magischen Satz: "voller Rückzug aus den besetzten Gebieten für volle Normalisierung der Beziehungen mit Israel".

Das war am 17. Februar, aber seitdem dreht sich die diplomatische Mühle (mitsamt Verlautbarungsmaschinerie) immer schneller. Der israelische Präsident Katzav will gar nach Riad eilen, um mit Abdallah zu parlieren.

Außenminister Peres will den "Friedensplan" mit dem französischen Präsidenten diskutieren. US-Kollege Powell (ein "positives" Signal) telefonierte am Wochenende mit den gewichtigsten Nahostpotentaten. UN-Generalsekretär Annan zelebriert "neues Denken" in Arabien, US-Vizepräsident Cheney wird im März in der Region weiter eruieren.

Dass schon der Widerschein als Licht gesehen wird, hat gute Gründe. In den vergangenen 17 Monaten hat sich der Kleinkrieg der Israelis und Palästinenser zum Fastkrieg ausgewachsen

noch jeder zarten Avance folgte die Eskalation des Terrors und der Repressalien. Ob US-Emissär Zinni oder Außenminister Fischer - sie kehrten zurück mit einer Enttäuschung mehr im Gepäck. Mit Abdallah aber hat ein anderer Akteur die Bühne betreten: einer, der als "Bewahrer der heiligen Stätten" den Siegelring des wahrhaft Gläubigen trägt, ein arabischer Nationalist, der noch immer gute Beziehungen zu Washington unterhält. Und ein Meister der kleinen Geste, die schon manchen Hebel bewegt hat.

Panzerketten und Selbstmörder