Erst kommt die Schule, dann die Hochschule und dann wieder die Schule.

Die Arbeitswelt "da draußen" bleibt für viele Lehrer fremd - und das, obwohl sie ihre Schüler auch auf die berufliche Zukunft vorbereiten sollen. Irina Kunz wollte sich damit nicht abfinden. Deswegen verbrachte die Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Hamburger Margarethe-Rothe-Gymnasium eine Woche als Praktikantin in der Personalabteilung des Mineralölkonzerns Exxon.

Anfangs sei sie unsicher gewesen, wie sie in dem Unternehmen aufgenommen würde, erzählt sie. Aber die Bedenken waren rasch vergessen. Irina Kunz wurde in die Abteilung integriert, sie diskutierte mit Personalverantwortlichen und Auszubildenden. Jeden Tag nahmen sie die Kollegen zum Mittagessen mit. "Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt und viel gelernt", sagt die 51-Jährige, "es wäre gut, wenn alle Lehrer so ein Praktikum machen würden."

Mitarbeit mangelhaft

Doch was für Lehrer an Berufsschulen selbstverständlich und zum Teil sogar Voraussetzung für eine Beförderung ist, stößt bei den Kollegen an allgemeinbildenden Schulen häufig auf Unverständnis, Skepsis oder gar Ablehnung. Obwohl Betriebspraktika in einigen Bundesländern wie zum Beispiel Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg bereits seit Jahren für alle Lehrer angeboten werden, weiß kaum ein Pädagoge davon, und nur wenige nutzen die Offerte. In Thüringen etwa mobilisierte das Kultusministerium vor zwei Jahren 61 Firmen, die Lehrern Praktikumsplätze bereitstellten. Nur 48 Lehrer aus dem gesamten Bundesland griffen zu. An bayerischen Schulen kursierte im vergangenen Jahr eine Liste mit rund 100 Betrieben, doch vielen Lehrern sei die Anfahrt zu weit gewesen, oder sie hätten fachlich nichts mit den Praktika anfangen können, berichtet Josef Kraus, Schulleiter am Gymnasium im niederbayerischen Vilsbiburg und Präsident des Deutschen Lehrerverbands.

An seiner Schule habe ebenfalls keiner mitgemacht.

Auch in Hamburg, wo seit 1997 das Projekt "Innenansichten - Lehrer erleben die Wirtschaft" läuft, blieben anfangs viele Plätze unbesetzt. Mittlerweile hat sich das Projekt von Handelskammer und Schulbehörde jedoch etabliert.