Ihn faszinierte die englische Geschichte

mit sanft ironischem Blick durchforschte er das "deutsche" Mittelalter, und nur zu gern erzählte er aus der Historie unserer ältesten Metropole, aus der herrlich unfrommen Chronik des heiligen Köln, vor dessen Toren er lebte. ZEIT-Leser liebten seine souveräne Darstellung, die von pädagogischer Praxis geschult war. Klaus Schulte-van Pol, geboren 1930 in Essen, aufgewachsen in der Nähe des alten Westfalenstädtchens Unna, studierter Germanist und Anglist, hat lange Zeit als Lehrer gearbeitet. Mit einem Beitrag zur Schulreform meldete er sich auch 1984 erstmals in der ZEIT zu Wort, wandte sich jedoch - wen wundert's beim Thema deutsche Bildungspolitik?! - bald wieder ganz der geliebten Geschichte zu. Unvergessen sein Dossier über die ersten großen Pestepidemien in Europa oder seine glänzende Kurzmonografie Karls des Großen in zwei Zeitläufte-Folgen. Vor wenigen Wochen noch zeichnete er den Kampf der deutschen Reformatoren um das mächtige Köln nach, ein Text, der ihm ein besonderes Vergnügen gemacht hat. Denn selbst stets auf Ausgleich und Freundlichkeit bedacht, faszinierte ihn im Stillen der ruhelose Bedeutungswandel der Dinge und die ewig unbegreifliche Torheit der Menschen, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen für Gewissheiten, über die nachfolgende Generationen nur noch spöttisch lachen können. Am 19. Februar ist Klaus Schulte-van Pol überraschend in Frechen bei Köln gestorben.