Und es war Sommer. Kurt Wagner hatte, wie wir einem Songtext entnehmen können, gerade seinen Spinnwebensommer. Das ist die Jahreszeit, in der gestandene Künstler nachdenklich werden und sich in der Natur umsehen. Wenn sie Glück haben, finden sie dort die Eindrücke, die immer schon erzählt werden wollten. Zeit für eine neue Platte also.

Wagner, 43 und Chef der ersten voll kontemplativen Bigband aus dem Country-Moloch Nashville, hat seinen Job als Fußbodenverleger jüngst an den Nagel gehängt, um sich auf die Musik zu konzentrieren. Die Band Lambchop, die ihn seit Mitte der neunziger Jahre begleitet, war ganz seine Erfindung: ein gentle dozen, das mit Steel-Gitarren, Klarinetten, Posaunen und Streichern mehrfach um den Song gesponnene Klangnetze erzeugte, in denen sich das seltsame Gemurmel des Kurt Wagner so schön verfing. Unter den letzten stilistischen Kreationen der Band auf dem Album Nixon (2000) befanden sich eine sehr angelsächsische Variante der Soul-Sinfonie und die Reinterpretation einer klassischen Moritat. Hochachtung, allüberall. Wagner, der über die Strecke von fünf Alben der eigenen Klassikerwerdung im Underground in Ruhe zuschauen konnte, stand irgendwann vor der Grundsatzfrage: Was, wenn ich wirklich berühmt werde? Das ist nach dem neuen Album Is A Woman nicht mehr auszuschließen (City Slang 811957, Vertrieb: Virgin).

Die Idee geht so: Reduziere Lambchop auf die Songs, und gucke, was passiert!

Und siehe da, der seidenmatte Glanz einer reifen Herrenleistung legt sich wie von allein übers exquisite Songhandwerk. Leise und lakonisch schleicht Wagner durch ausgesuchte Bilderwelten, die Band tut gerade so viel, wie man tun muss, um einem Song nicht ans Knochenmark zu gehen. Nur einzelne unseriöse Nebengeräusche (Computerspiel-Sounds, steinalte Synthesizer) erinnern noch an den Auftrag, den Lambchop sich einst ins Stammbuch schrieben - genuin amerikanische Musikstile auch ironisch zu unterlaufen. Der Sänger weiß, dass alles schon mal da war, und eröffnet lieber den New Cobweb Summer: "The last thought that you think today has already happened." Wagner, Mark Nevers (Gitarre) und Tony Crow, der sonst für Ballettklassen Piano spielt, mussten Teile der Lambchop-Belegschaft immer wieder aus dem Studio schicken, um das Album so klein wie möglich zu halten. In diesem eng gehaltenen Rahmen - Gitarre, Bass, Piano, Gesang - dürfen die Töne mal ganz sie selbst sein.

Alles nur getupft, aneinander gereihte Punkte. Licht, Farben, zoologische Beobachtungen. Und später auf dem Album werden die Eichhörnchen dann zu Bett geschickt ("Yes, even squirrels have their beds"). Ein Platz für Tiere, na endlich!