Im Herzen von Manhattan - zwischen Central Park und Times Square - steht das Rockefeller Center. In den dreißiger Jahren nach einem Entwurf des legendären US-Industriellen John D. Rockefeller erbaut, bildet es mit seinem Ensemble aus 21 Wolkenkratzern fast einen eigenen Stadtteil. Ein Gebäude davon, mit der Adresse 1211 Avenue of the Americas, hat die Jamestown-Immobiliengruppe des deutschen Investors Christoph Kahl vor drei Jahren für 590 Millionen US-Dollar gekauft. Scheibchenweise wurde dann die Immobilie in Form eines geschlossenen Fonds an Privatanleger weitergereicht.

Wer mindestens 30 000 US-Dollar investierte, dem gehört heute ein Stück des berühmten Gebäudes mit 47 Stockwerken und mehr als 160 000 Quadratmeter Mietfläche - und das bringt ihm eine jährliche Ausschüttung von sieben Prozent. Nur einige Straßenblocks weiter steht ein weiteres New Yorker Wahrzeichen, das deutschen Fondsanlegern gehört: Das Chrysler-Building ging im Juni vergangenen Jahres in den Besitz des Düsseldorfer Fondsinitiators GVP über.

Dass deutsche Immobilienanleger immer mehr Gefallen am Investment im Ausland finden, belegt eine Marktstudie des Immobilienfondsanalysten Stefan Loipfinger. Während im vergangenen Jahr Immobilienfonds mit Inlandsobjekten ein Umsatzminus von 30 Prozent auf zwei Milliarden Euro verbuchen mussten, konnten Auslandsfonds ihren Absatz auf 2,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Damit hatten Auslandsfonds erstmals im Neugeschäft einen höheren Marktanteil als ihre in Deutschland investierende Konkurrenz.

Kostenlose Verkaufsförderung bekommen die Auslandsfonds vom Fiskus. "Nach dem Wegfall vieler Steuervorteile für Inlandsfonds achten Anleger verstärkt auf die Mietrendite", sagt Jamestown-Geschäftsführer Christoph Kahl. "Und die ist im Ausland oft höher." Bis Ende 2000 konnten Anleger beim Investment in geschlossene Inlandsimmobilienfonds von hohen steuerlichen Verlustzuweisungen profitieren. Doch mit dem Paragrafen 2 b des Einkommensteuergesetzes wurden die Modelle gekippt, bei denen die Rendite nicht aus dem wirtschaftlichen Ertrag einer Immobilie, sondern vor allem vom Finanzamt kam.

Ohne die Extrarendite vom Finanzamt bieten deutsche Gewerbeimmobilien im Verhältnis zu den hohen Kaufpreisen eher mäßige Mieterträge. Inlandsfonds mit einer Anfangsausschüttung von sechs Prozent gelten in der Branche bereits als Renditeperlen. "Bei USA-Fonds kann die anfängliche Ausschüttung bis zu acht Prozent betragen", sagt Florian Schoeller, Vorstandssprecher bei der Fonds-Ratingagentur FondScope in Berlin. Angesichts solcher Aussichten wundert es wenig, dass sich Immobilieninvestments jenseits des Atlantiks bei deutschen Anlegern großer Beliebtheit erfreuen.

Dabei lassen sich nicht überall in der USA dauerhaft hohe Mietrenditen erzielen. "Das beste Potenzial bieten die so genannten 24-Stunden-Metropolen wie New York, Boston, Washington oder San Francisco", sagt Jamestown-Chef Kahl. Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung finden rund um die Uhr an nur einem Platz statt und garantieren so eine hohe Auslastung der Gebäudeflächen.

Darüber hinaus sorgt der vielfältige Branchenmix für strukturelle Unabhängigkeit. Ein Vorteil gegenüber Metropolen wie der Autostadt Detroit oder Houston, dem Zentrum der Ölindustrie. "Hier kann eine Branchenkrise viel schneller auf den Mieter- und Immobilienmarkt durchschlagen", sagt Kahl.