Spielen kann man gar nicht ernst genug nehmen. Der Spielzeugkonzern Lego macht gar eine Wissenschaft daraus und hat soeben das Lego Learning Institute (LLI) gegründet. Angesiedelt beim Stammhaus im dänischen Billund, soll dieses Institut die internationale Forschung zur kindlichen Entwicklung vorantreiben und den Austausch pädagogischer und entwicklungspsychologischer Forschungsergebnisse fördern. Außerdem ist geplant, zweimal jährlich eine Studie zum Thema Spielen und Lernen zu veröffentlichen. Die erste erscheint im April: Mehr als 3000 Familien in Europa, USA und Japan wurden befragt, wie viel "Zeit zum Spielen" sie haben und wie sie diese nutzen.

Dass Kinder spielend lernen, ist ein Gemeinplatz, wie sie es tun, dagegen häufig ein Rätsel. Doch da jede Gesellschaft eine irgendwie geartete Vorstellung davon hat, was Kinder lernen sollen, versucht sie auch, das dazu passende Spielzeug vorzugeben. Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt davon.

Fatalerweise aber regt sich der kindliche Spieltrieb häufig dort am stärksten, wo der pädagogische Nutzwert eher niedrig einzustufen ist. Barbie statt Käthe Kruse, Comic statt preisgekrönten Jugendbuchs, Gameboy statt Holzeisenbahn - Kinder haben in den Augen der Eltern nicht nur beim Essen einen hoffnungslos schlechten Geschmack, sondern auch beim Spielen. Den kann man entweder bedienen (wie es etwa der Hersteller Mattel tut) oder überlisten, indem man Spielzeug anbietet, das den Kindern spannend und den Erwachsenen pädagogisch korrekt erscheint: jahrelang das Erfolgsrezept des Klötzchenkonzerns Lego.

Mit den "neuen Kindern" aber kam die Krise. Der Lego-Umsatz ging bedrohlich zurück

die Generation der Computerkids hat immer weniger Bock auf eigenhändiges Bauen. Um einem finanziellen Debakel zu entgehen, setzt das dänische Steckwerk daher auf populären Spielkram wie Harry Potter - hervorzuzaubern aus kleinen Steinchen. Gleichzeitig aber sucht es die Nähe zur Wissenschaft, arbeitet zusammen mit der angesehenen Kinderpsychologin Edith Ackermann vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) an einem Modell der frühkindlichen Entwicklung und öffnete sich der Elektronik.

MIT fürs Image und Potter für die Kasse - kann diese Doppelstrategie aufgehen? Jedenfalls stimmt die Bilanz wieder, seit computergesteuerte Roboter (im vertrauten Noppen-Look natürlich) durchs Lego-Land stolpern. Ob auch der wissenschaftliche Anspruch eingelöst werden kann, muss sich im April zeigen.