Jeder, der Werner Müller kennt, weiß um das Phlegma des Wirtschaftsministers. Zuweilen kokettierte er damit, während er tatsächlich geschickt taktierte. Neuerdings aber reagiert der Mann unsicher: Sein Handling der von E.on erbetenen Erlaubnis für die Mehrheitsübernahme bei Ruhrgas zeugt von Nervosität.

Müllers Fehler Nummer eins: Erst kündigte er eine "Ministerentscheidung" an - um kurz darauf wissen zu lassen, dass er, der Minister, "schon seit langem entschlossen" sei, sich "völlig aus dem Verfahren rauszuhalten". Mit der Entscheidung beauftragte er allerdings ausgerechnet seinen Staatssekretär Alfred Tacke, der - bei allem Respekt - wohl kaum gegen seinen Chef entscheiden kann.

Müllers Fehler Nummer zwei: Er lässt sich von der Journaille treiben. Wenn Müller sich für "nicht befangen" hält, sollte er den Befangenheitsverdacht nicht auch noch nähren. Genau das tut er aber, wenn er die Entscheidung mit der Begründung delegiert, einem "eventuellen Klagegrund" den Wind aus den Segeln zu nehmen. Klage? Wogegen? Wohl nur gegen eine Erlaubnis für E.ons Begehren. Entgegen seiner Absicht erweckt Müller also den Eindruck, die Entscheidung sei schon gefallen.

Müllers Fehler Nummer drei: Ohne Not verkündete er, dass einer Verschiebung der Entscheidung bis nach der Wahl "jede rechtliche Grundlage" fehle. Damit bringt er seinen Kanzler höchstpersönlich in die Bredouille. Denn Gerhard Schröder wird es sein, der den E.on-Ruhrgas-Deal letztlich politisch verantworten muss - und zu entscheiden hat, ob er den Wahlkampf als "Genosse der Bosse" bestreiten will.

Aus Fehlern kann man lernen. Noch ist es nicht zu spät.