die zeit: Was muss man sich unter einem Zahn-Pizzicato vorstellen?

Robin Hoffmann: Einen Fingernagel hinter der oberen Zahnreihe platzieren und schnippen. Man kann seinen Körper aber noch ganz anders zum Klingen bringen.

Ich studiere Komposition an der Folkwanghochschule in Essen, und in meinem jüngsten Werk gibt es eine Passage, die ich Knochenspiel nenne. Da werden mit Fingerknöcheln Fußknöchel oder Ellenbogengelenkknochen bespielt.

zeit: Händeklatschen und Zungeschnalzen - dafür haben Sie den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung erhalten?

Hoffmann: Die Arbeit ist die Partitur, der musikalische Text. Ich verwende fünf Linien, aber nicht jeder Ton, sondern einzelne Stellen im Mund, Gaumen, Zäpfchen oder Zähne, haben eine eigene Linie. Die körperliche Erfahrung von Musik hat mich schon immer beschäftigt. Als ich den Ausschreibungstitel Bodycheck - Wie viel Körper braucht der Mensch? sah, dachte ich, das passt ja wie die Faust aufs Auge.

zeit: Dann haben Sie einen Scherz komponiert?

Hoffmann: Nein, auf keinen Fall. Body-Percussion wird viel zu oft nur pädagogisch verstanden. Nach dem Motto: Wir können patschen und stampfen. Ich will keinen Selbsterfahrungstrip, sondern etwas für Querdenker, die sich die Musik erst mal erarbeiten müssen.