Während Arafat als Gefangener in den Trümmern seines Lebenswerks sitzt, ist der Triumphator Scharon von der Sicherheit Israels, die er mit vorgehaltener Waffe diktieren möchte, weiter entfernt denn je. Schlimmer noch: Die beiden Völker in ihrer immer intimeren, blutigeren Verstrickung vergiften und brutalisieren sich gegenseitig. Die Losung der neuen Friedensbewegung Israels ist von beklemmendem Wirklichkeitssinn: "Die Okkupation tötet uns alle."

Zum fatalen Eindruck der Unlösbarkeit des israelisch-palästinensischen Konflikts gehört, dass er - mehr als jeder andere - mit ideologischen und historischen Bedeutungen überfrachtet ist. Dass es die Europäer (statt der Amerikaner) sind, die jetzt in die erste Reihe der Vermittler treten, hat auch insofern seine Richtigkeit. Von Europa hat der moderne Palästinakonflikt seinen Ausgang genommen, lange bevor er sich zum Nahostkonflikt ausweitete.

Der Zionismus war eine Reaktion auf den europäischen Antisemitismus und lebte vom Traum, aus den verstreuten Juden in einer zu schaffenden "Heimstätte" eine normale Nation unter Nationen zu machen. Der nationalsozialistische Massenmord hat auch diesen Traum zerstört. Er war keineswegs das Urmotiv der Gründung Israels, aber das, was dieser Gründung nachträglich ein so erdrückendes Gewicht gab. Die, die davon erdrückt wurden, waren allerdings die Palästinenser.

Dass es ein Javier Solana, ein Joschka Fischer, ein Tony Blair und ein Lionel Jospin, also Angehörige ein und derselben politischen Generation (der stets zitierten 68er), sein werden, denen nun die primäre Vermittlerrolle zufällt, enthält einiges an Ironie und tieferer Bedeutung. Es ist schließlich kein Jahr her, dass es um "Joschka in Algier" (seine Reise als junger SDS-Eleve zur internationalen Solidaritätskonferenz für Arafats PLO im Jahr 1969) ein großes mediales Spektakel gab. Das war, was die Reise des 21-Jährigen betraf, einigermaßen lächerlich

aber ernst genug, was die Sache selbst anging.

Kunzelmanns Brief aus Amman

Fischer hat alle näheren Befragungen und Selbstbefragungen damit abgewiesen, dass er von seinem 16. Lebensjahr an "die deutsche Schuld gegenüber den Juden akzeptiert" habe und daher pro-israelisch gestimmt gewesen sei. Aber das waren wir ja alle - bis 1967/68. Dann kam es innerhalb der linksradikalen Jugendbewegungen des Westens zu einem dialektischen Umschwung. Über Nacht wurde Palästina neben Vietnam zum Panier des Kampfes gegen "den Imperialismus", der jetzt mit den USA identifiziert wurde, und gegen seine angebliche Tendenz zum Faschismus, die sich ganz locker auch auf Zionismus reimte. Und genau das wurde in der Resolution der Solidaritätskonferenz von Algier damals bekräftigt.