Wenn die deutschen Isaf-Soldaten in den Straßen von Kabul Patrouille fahren, müssen sie tapfer sein. Sie sitzen, lebende Zielscheiben, auf der offenen Ladefläche ihrer Unimogs. Eine Handgranate aus dem Dunkel, und die Splitterschutzweste hülfe nicht mehr viel. Aber die Infanteristen verfügen in Afghanistan leider nur über 6 Dingos - leichte, gepanzerte Wagen. 50 dieser "Gefechtsfeldtaxis" besitzt das Heer, aber die sind schon im Kosovo eingesetzt. Das halbe Dutzend für Kabul musste von der Fahrschule in Hammelburg abgezogen werden.

Für die Soldaten in Afghanistan ist der Mangel an absolut notwendigem Gerät besonders schwer zu ertragen, weil sie zugleich sehen, wie ihr Dienstherr in Berlin Milliarden für zweifelhafte Projekte der Luftwaffe verpulvert.

Öffentlichkeit und Opposition hatten sich jüngst vor allem über das Transportflugzeug A400M erregt

doch das ist weder das größte noch das anfechtbarste Beschaffungsvorhaben des Verteidigungsministers, auch wenn Rudolf Scharping mit dem Parlament noch heftig um das Geld für den neuen Militär-Airbus ringt (siehe Kasten).

Ganz nebenbei bringt das Etat-Scharmützel freilich die größere finanzielle Katastrophe ans Licht. Mehr Geld als der A400M verschlingt ein Rüstungsprojekt, das aus dem Blick geraten war: Der Eurofighter wird bald an die Geschwader ausgeliefert - für viel mehr Geld als geplant. "Rechnet man realistisch", sagt der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels, Mitglied im Verteidigungsausschuss, "kommt man auf über 25 Milliarden Euro für das Gesamtsystem. Mit dem Geld könnte man die ganze Bundeswehr neu ausrüsten." Im vorigen Haushaltsplan hatte die Beschaffung der 180 Fighter bis 2015 mit nur 18 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Teuerungsgrund: Das Jagdflugzeug, in den siebziger Jahren geplant für den Luftkampf mit sowjetischen MiGs, muss nachgerüstet werden, damit es für gewandelte Kampfaufträge gegen Bodenziele halbwegs brauchbar wird.

Die Infanterie guckt in die Röhre

A400M und Eurofighter - zusammen mit zwei neuen Hubschraubertypen werden allein vier Großaufträge für Fluggerät im nächsten Jahrzehnt den gesamten Beschaffungsetat der Bundeswehr von jährlich etwa 3,5 Milliarden Euro aufbrauchen. Preissteigerungen sind dabei nicht mitkalkuliert. Für die Armee ist das ein Desaster, weil für die Materialbeschaffung des Heeres kein Cent übrig bleibt. Gerade die Bodentruppe aber müsste aufgerüstet werden, denn sie wird die Hauptlast laufender und künftiger Auslandseinsätze tragen. So sieht es die Reform vor, mit der die Bundeswehr auf die neue Lage nach dem Ende des Kalten Krieges eingestellt wird.