Kommt der Schwarze Tod in Zukunft aus dem Labor? Eine neue Superpest, ein Monsterbakterium, aggressiver als je zuvor, erschaffen von skrupellosen Molekularbiologen? Seit Jahren entwerfen Terrorexperten solche Horrorszenarien. Nach den Milzbrandanschlägen in den USA hat die Diskussion über den möglichen Missbrauch biologischer Forschung auch jene Wissenschaftler erreicht, die sich bisher kaum für Biowaffen interessierten.

Nun wird die Debatte nochmals kräftig angeheizt. Denn die US-Regierung will ihr Budget für die Biowaffenabwehr bis 2003 verdreifachen und auf 5,9 Milliarden Dollar aufstocken. Der entsprechende Haushaltsposten der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) wächst gar um das Siebenfache. Allein 441 Millionen Dollar will Bush in die Grundlagenforschung an waffentauglichen Krankheitserregern investieren.

Doch was die Amerikaner vor künftigen Attacken besser schützen soll, sorgt nicht überall für Beruhigung. Die rasante Expansion der Forschungsanstrengungen habe zur Folge, dass noch viel mehr brisantes Wissen in Umlauf komme als bisher, warnen Kritiker. Zudem werde mit mehr Geld fast zwangsläufig auch mehr zweitklassige oder fragwürdige Forschung gefördert.

Schon fordern manche Wissenschaftler die strikte Geheimhaltung von Resultaten, die für die Entwicklung biologischer Kampfstoffe relevant sein könnten. In der jüngsten Ausgabe des britischen Wissenschaftsjournals Nature plädiert etwa der Molekularbiologe Richard Ebright von der Rutgers University (New Jersey) für einen restriktiveren Umgang mit einschlägigen Resultaten: "Aus dem Blickwinkel der Sicherheit wären wir besser beraten, wenn wir eingeschränktere Zugriffsmöglichkeiten und weniger Information hätten."

Lange Zeit galt die terroristische Bedrohung durch gentechnisch veränderte Killerkeime als vernachlässigbar. Zu aufwändig wären die Produktionsanlagen, zu exklusiv das benötigte Wissen. Die gegenseitige Bespitzelung der Supermächte verhinderte Eskalationen. Wagte sich einer der Kontrahenten zu weit auf das Biowaffenfeld hinaus, brach ein Sturm globaler Entrüstung los.

Jetzt agiert die Supermacht USA allein. Das gentechnische Know-how und die entschlüsselten Genome der üblen Keime sind weitgehend in der Hand US-amerikanischer Institute. Und ausgerechnet nun, da sich für das FBI der Verdacht erhärtet, dass die Milzbrandattacke von einem Wissenschaftler aus einem US-Labor verübt wurde, prasselt ein Geldregen auf diese Institutionen.

Schon wollen die Senatoren Edward Kennedy (Demokraten) und Bill Frist (Republikaner) die Arbeit mit bestimmten waffentauglichen Erregern gesetzlich regeln. Doch der Blick auf die Mikroben allein reiche nicht aus, warnt Steven Block, Biophysiker von der Stanford University und wehrtechnischer Berater der US-Regierung. Es komme auch auf die eingesetzte Technik an. Diese könne zwar Menschen retten - aber auch vernichten, etwa indem sie missbraucht wird, eher harmlose Keime zu therapieresistenten Killern hochzurüsten.