Der ehemalige Museumsdirektor, Feuilletonchef und Kultursenator a. D.

Christoph Stölzl wird - bei Strafe des finalen Harakiri seiner Landespartei - Vorsitzender der Berliner CDU, also Nachfolger Eberhard Diepgens. Vor einem Jahr war er der Union gleichsam spielerisch beigetreten, wie ein begabter Flötist, der sich dem Bordorchester der Titanic angeschlossen hat. Jetzt wird er Kapitän.

Er steht auf einem Parteiwrack. Zwölf Staatsanwälte graben derzeit in den Akten der maroden Berliner Bankgesellschaft nach Beweisstücken der Hauptstadtkorruption. Auch prominente CDU-Mitglieder können mit Verhaftungen rechnen. Das käme betriebsbedingten Kündigungen gleich, die Stölzls "Flug über das Kleine und Enge hinaus" Auftrieb verleihen könnten. Jetzt muss er nur noch Geschmack finden an der Stammwählerschaft - am xenophoben Taxifahrer, am dörflichen Schrebergärtner aus Tegel oder am Ureinwohner, der dem Antikommunisten Stölzl im Frontstadt-Tonfall versichern wird: "... det is mir janz ejal, wat für 'ne Sorte Kommunist Sie sind." - "Good luck", wie man in den preußenverträumten Villenvierteln Dahlem und Zehlendorf sagt.