Drei Monate sind seit dem großen Pisa-Schock ins Land gegangen - und es ist genau das eingetreten, was befürchtet wurde. Die quasiamtliche Erkenntnis, dass an deutschen Schulen nicht alles zum Besten, einiges sogar schlecht steht, hat hektischen Aktionismus entfesselt. Jede Volkshochschule, jeder Elternbeirat, jedes Kultusministerium hält Podiumsveranstaltungen ab, auf denen über Pisa palavert wird, frei nach dem alten Wohngemeinschaftsmotto: Gut, dass wir mal drüber geredet haben. In Buchhandlungen sieht man Kunden ehrfürchtig in der Studie blättern, als könnte die Bildungsmisere durch Berühren des heiligen Gegenstandes ausgetrieben werden.

Doch magische Rituale werden nicht helfen, und der laute Wortschwall der Experten und Möchtegernexperten hält von gründlicherem Nachdenken ab. Pisa hat ein Festival nach dem Mülleimer-Prinzip ausgelöst. Jeder fischt alte bildungspolitische Lieblingslösungen aus dem Papierkorb: Ganztagsbetreuung, Abschaffung des Sitzenbleibens, weniger Differenzierung und mehr Gesamtschule, stärkere Kontrollen und Entbeamtung der Lehrer, Beseitigung des 45-Minuten-Unterrichtstaktes - die Liste ist endlos. Und immer klingt es so, als sei jedes einzelne Mittel erstens der einzige Heilsweg und zweitens noch nirgendwo in Deutschland ausprobiert worden. Als hätten die deutschen Schüler vor allem deshalb schlecht abgeschnitten, weil unsere Schulen in den vergangenen Jahren zu selten umgekrempelt worden seien.

Leistung gilt als Streberei

Richtig ist das Gegenteil: Im ganzen Bildungsbereich herrscht seit 30 Jahren Hyperaktivität. Seit ihrer Einführung in den siebziger Jahren ist zum Beispiel die gymnasiale Oberstufe in manchen Bundesländern sechs, sieben, acht Mal neu organisiert worden. Und wer heute noch anklagend von "Frontalunterricht" spricht, kann seit Jahren in keiner Schule gewesen sein.

Vielleicht sind Schüler wie Lehrer gerade deshalb verwirrt, weil zu viel, zu oft, zu kurzatmig an den Schulen herumgedoktert wurde - ohne zu überprüfen, ob die Schüler in Teamarbeit, am Computer oder im Projektunterricht wirklich mehr lernen.

Machen wir uns nichts vor: Es gab über Jahre in Deutschland einen Meinungs-Mainstream, der gute, fortschrittliche, "linke" Methoden kannte: die Entgrenzung, Entformalisierung und Entsystematisierung des Unterrichts - alles eben, was eine Reduzierung des "Leistungsdrucks" versprach. Und es gab reaktionäre, böse Methoden wie das Kopfrechnen, das Auswendiglernen, das laute Vorlesen, das Von-der-Tafel-Abschreiben - die waren verpönt.

Wahrscheinlich braucht effektiver Unterricht von beidem etwas