Diese Leute sind auf dem Weg zu einer Umzugsparty, zu ihrem Safe oder zum kleinen Glück, doch einstweilen haben sie schwer zu tragen. Auf Wotan lasten Speer und Verantwortung, Donner hält sich an einem Hammer fest, Froh geht nicht ohne Stablampe aus, Fafner wuchtet erst eine Aktentasche, später lauter Schatzkisten, Fasolt schleppt seinen Bauch, Alberich Berge von Juwelen und Erda das Buch der Geschichte. Auch die Rheintöchter geben ihre Sektgläser nicht aus der Hand, denn gleich könnte der Kellner kommen und nachschenken wollen, dafür muss man vorbereitet sein. Was wäre das Leben, wenn es nicht immerzu prickelte und schäumte?

Der Regisseur und Bühnenbildner Herbert Wernicke ist kein Novize in der Welt von Richard Wagners Ring des Nibelungen, er hat ihn bereits 1991 in Brüssel inszeniert, mit etlichen Verweisen auf den Obersalzberg, auf Frau Cosima am Klavier und die ganzen Leichen im Keller des Stücks. Man wurde belehrt von klugen Fußnoten und noch mehr erschlagen von unerbetenen szenischen Leitmotiven, die sich vor die Musik schoben und ihr eigenes Getöse veranstalteten. Wernickes Brüsseler Ring war raunendes Assoziationstheater für Eingeweihte. Jetzt, bei seinem neuen Rheingold in München, ist er auf dem besten Weg, die Tetralogie zur vollbayerischen Gesellschaftssatire zu schleifen, zum piefigen Ironiespiegel fürs Publikum.

Meisterstücke des Kopiergewerbes

Dazu hat er die beiden Ruhmeshallen des Freistaats originalgetreu nachgebaut.

Auf der Bühne erhebt sich - Meisterstück des Kopiergewerbes und darin seinem Berliner Oberon von 1986 ähnelnd - der Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses

als Götterburg dient eine Miniatur der Walhalla bei Regensburg. Am Ende senkt sich jene Leinwand, von der zuvor Alberichs Waffenfabrik, ein Feuerdrache und eine Kröte gestarrt hatten, und zeigt uns ein Filmchen vom Münchner Nationaltheater, in dem wir soeben sitzen: trippelnde Smokinghelden und Abendkleidgattinnen. Wir hier unten, die da oben, alles eins in Maske, Robe und Gesinnung. Ein trauliches Gipfeltreffen, nah der Maximilianstraße. Das tut natürlich nur ein bisschen weh, denn in Bayern gilt: Wir sind wir, wir haben Humor und geben uns die Ehre.

Zwischendurch dürfen wir allerhand lernen. Zum Beispiel, dass München keinen Rhein braucht, es genügt ein Aquarium. In dessen Goldfische ist Alberich so innig vernarrt, dass er unter kernigen Tönen im Forte (Franz-Josef Kapellmann) seiner Liebe abschwört, bevor er einen Goldklumpen herauszieht.