Der Ruf der Kunstherzpioniere war ruiniert: 620 Tage nach dem Einbau eines Prototypen des künstlichen Herzens war der Amerikaner William Schroeder 1988 elend gestorben. 420 Tage davon hatte ihn hohes Fieber gepeinigt, 366 Tage konnte er nur künstlich ernährt werden. Viermal bildeten sich in dem Kunstorgan Blutgerinnsel, die in sein Hirn schossen und dort Schlaganfälle verursachten. Peinlicherweise vollzog sich das ganze Martyrium vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ein Patient, mit dicken Schläuchen an metergroße Stromgeneratoren angeschlossen - die New York Times bezeichnete den unheimlichen Apparat als "Dracula der medizinischen Technologie".

"Ich musste mich für die Machbarkeit verbürgen, damit das Projekt Kunstherz weitergehen konnte", sagt Michael DeBakey, Gründer des 1964 einberufenen staatlichen Programmes zum Bau eines künstlichen Herzens. 1953 schon hatte John Gibbon demonstriert, dass Gerätschaften vorübergehend die Funktion des Herzens übernehmen können, Anfang der sechziger Jahre war die Zeit also reif.

Doch ohne DeBakey, den Nestor der Szene, wäre nichts gegangen: Er entwickelte die Pumpe, mit deren Hilfe die Herz-Lungen-Maschinen lange Operationszeiten erlaubten. Erst dadurch wurde eine Herztransplantation denkbar - die 1967 auch folgte. Universitätsdekane schlagen das goldene Buch zur Unterschrift auf, wenn der Altmeister der Herzchirurgie, wie vergangene Woche in Leipzig und Jena, vorbeischaut.

Weil Michael DeBakeys Ruf und seine Interventionen halfen, durften die Chirurgen ihre Arbeit an der Maschinenhilfe für todkranke Herzpatienten fortsetzen. Am 12. November vergangenen Jahres, als die Herzpumpenstudie Rematch veröffentlicht wurde, erfolgte nach 13 Jahren endlich die ersehnte Rehabilitation. Erstmals war in den USA bewiesen worden, dass die Überlebensrate von Menschen im Endstadium einer Herzmuskelschwäche mithilfe der neuen künstlichen Pumpen verdoppelt werden kann. Und nicht nur das: Die 68 Betroffenen stiegen Treppen, erklommen Kirchtürme und waren zufriedener mit ihrem Leben als jene 61, die mit Medikamenten ein passives Dasein fristeten.

Allerdings war der Durchbruch nicht einem vollständigen Ersatzorgan wie bei William Schroeder zu verdanken. Seit dem Debakel sind die Ärzte vorsichtig geworden. Sie belassen die geschwächten Herzen in den Brustkörben und und packen nur Hilfspumpen dazu. Diese so genannten Ventricular Assist Devices (VAD) zapfen das Herz an der Spitze an und pressen die fehlende Blutmenge von dort in die große Körperschlagader. Weltweit rund 7000-mal sind unterschiedliche Assistenzsysteme bereits in Menschen eingesetzt worden, die sonst nur noch wenige Wochen zu leben gehabt hätten. Zumeist geschah dies als Überbrückung der Wartezeit auf ein geeignetes Spenderorgan.

Ehrgeizige Maschinenpläne Der ehrgeizige Plan von einer Ersatzmaschine, die ohne aufwändige Technik außerhalb des Körpers auskommt, eines Total Artificial Heart (TAH) anstelle des Herzens, ist noch lange nicht aufgegeben. "25 Prozent aller Patienten mit einer forgeschrittenen Herzmuskelschwäche brauchen solch ein Kunstherz", sagt Michael DeBakey - immer dann nämlich, wenn nicht nur die linke Herzkammer irreparabel geschädigt sei, sondern auch die rechte. Es geht um Fälle wie den des beidseitig herzschwachen Robert Tools. Für eine Herztransplantation war er zu krank, für eine Hilfspumpe ungeeignet. Der ideale Kandidat also für eine neue Testserie mit dem TAH.

Als "Erfindung des Jahres" feierte die Times vergangenes Jahr den elektromechanischen Komplettersatz Abiocor von der amerikanischen Firma Abiomed. Das Gerät ist so klein, dass es vollständig in den Brustkorb eines Mannes passt. Batterien und Steuerkonsole baumeln am Gürtel. Kein Kabel führt durch die Haut nach draußen, der Strom wird per Induktion durch die Haut ins Herz übertragen - das verhindert Infektionen. Das Abiocor hat wie das natürliche Organ zwei Herzkammern. Zwischen ihnen liegt eine aktiv bewegliche Scheidewand. Darin presst ein Rotor mit 9000 Umdrehungen pro Minute eine Hydraulikflüssigkeit wechselseitig rechts und links in membranumhüllte Aussackungen. Diese wölben sich rhythmisch in die Kammern vor und treiben damit das Blut voran. Vier Ventilklappen lenken das Blut in die richtige Richtung.