Das Prada-Meinhoff-Projekt ist inzwischen MTV-Mainstream, und auf Schwabinger Tee- und Kaffeetischen verstauben Baader und Ensslin jetzt als Bonnie und Clyde in Extracool. Doch ausgerechnet in London, wo man ansonsten modisch immer recht weit vorn liegt, da geht noch was: Hier stellt das Institute of Contemporary Arts (noch bis zum 10. März) mit den holländischen Zwillingskünstlerinnen Liesbeth und Angelique Raeven zwei vom radikalen Köpereinsatz in der Performancekunst der Sechziger und Siebziger inspirierte Vertreterinnen eines "ästhetischen Terrorismus" vor. Die westliche Konsumgesellschaft will man mit ihren eigenen Mitteln und einem doppelten Schuss Deleuze beerdigen: Macht verrückt, was euch kaputt macht! Doch die Stimmung, die in ihren auf jeweils zwei Leinwände projizierten Videoarbeiten Wild Zone 1 und Wild Zone 2 entsteht, ist alles andere als ein produktives Durcheinander von Marktwirtschaft und Schizophrenie: Eher meint man bereits jetzt, inmitten von Weinflaschen, halb vollen Gläsern und leeren Diet-Coke-Büchsen, dem letzten Stadium einer gesellschaftlichen Depression beizuwohnen, in dem die vier müden Überlebenden der letzten großen Party vor dem Crash noch, paarweise gespiege lt, ein wenig vor sich hin dämmern. Wenn, wie es bei L. A. Raeven offensichtlich der Fall ist, Schlankheit zur Krankheit wird, wird der Hungerstreik light zum letzten Mittel der imaginären "L. A. Army". Deren zwanghafte Essensregelungen sind in den ausliegenden Mitgliedsanträgen ausformuliert.