Die hören sollen, sie hören nicht mehr, Vernichtet ist das ganze Heer, Mit dreizehntausend der Zug begann, Einer kam heim aus Afghanistan Theodor Fontane

Kabul

Der General ist nicht amüsiert. "Ich würde die Ironie der Situation nicht betonen", sagt John McColl streng. Ein würdevolles Kopfnicken - abtreten! -, und der britische Befehlshaber der multinationalen Unterstützungstruppe Isaf schreitet auf den Friedhof, wo die Kapelle der nepalesischen Gurkha-Brigade bereits die irische Weise Danny Boy intoniert.

Yes, Sir. Bloß ist das leichter gesagt als getan. Ja, es bedarf geradezu militärischer Selbstdisziplin. Wenn eine Hundertschaft britischer Friedenstruppen im verwüsteten Kabul eine Auszeit nimmt, um feierlich der wiederholten (und vergeblichen) Bemühungen des Empire zu gedenken, das afghanische Volk zu unterwerfen - das sollte einer ironischen Betrachtung unzugänglich sein?

Immerhin, den diffizilen Aspekten des geplanten Gottesdienstes wurde Rechnung getragen. Die Feier wurde nämlich schon einmal verschoben - als sie drohte mit dem Begräbnis eines ermordeten Ministers der Interimsregierung zusammenzufallen. "Uns schien, das könnte als Taktlosigkeit missverstanden werden", sagt Brigadegeneral Barney White-Spunner, als einstiger Kommandeur der Royal Household Cavalry auf Schloss Windsor in Fragen der Etikette zweifelsohne trittsicher.

So findet der katholisch-anglikanische Ritus nun eine Woche später statt - an einem Freitag, just zum Beginn der heiligen muslimischen Pilgerzeit.

Eventuellen Restmissverständnissen wird durch Ausschluss der Öffentlichkeit vorgebeugt. Die Briten begnügen sich mit vornehmem Schweigen, das Handfeste delegieren sie an die deutschen Freunde: Fallschirmjäger der Bundeswehr sind mit leicht gepanzerten Dingo-Fahrzeugen an beiden Enden der Straße postiert, weitere kurz geschorene Blonde patrouillieren in schusssicherer Montur samt Maschinengewehr im Arm auf und ab.