Sechzehn gegen einen. Die sechzehn Finanzminister der deutschen Bundesländer sind sauer auf Hans Eichel, ihren Kollegen vom Bund. Der reist nach Brüssel, verspricht, das deutsche Staatsdefizit bis 2004 auf null (oder fast) zu trimmen - und zeigt mit dem Finger auf die Bundesländer. Sie und nicht der Bund seien dafür verantwortlich, dass die öffentliche Verschuldung in Deutschland fast die im europäischen Stabilitätspakt vereinbarte Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht hat.

Dann verspricht der Finanzminister seinen Euro-Partnern das schier Unmögliche - und will dafür die Länder in die Pflicht nehmen.

Dabei wissen die Landesfürsten, dass ihnen gar keine Wahl bleibt, als einem nationalen Stabilitätspakt zuzustimmen. Der werde, konstatierte jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, über kurz oder lang "auf den Weg gebracht werden müssen, will man faktisch nicht dem Bund die Bürde auferlegen, für die Einhaltung der gesamtstaatlichen Defizitgrenze einzustehen". Ganz im Sinne übrigens der Bundesbank, die in ihrem jüngsten Monatsbericht schreibt: "Eine konsequente nationale Umsetzung wäre es, das Ziel ausgeglichener Budgets haushaltsrechtlich für jede Ebene zu verankern."

In den Landeshauptstädten sorgen solche Töne natürlich für Unbehagen.

Schließlich garantiert der Artikel 109 des Grundgesetzes, dass Bund und Länder "in ihrer Haushaltswirtschaft selbständig und voneinander unabhängig" sind. Im Haushaltsgrundsätzegesetz steht zwar neuerdings, Bund und Länder strebten "eine Rückführung der Nettoneuverschuldung mit dem Ziel ausgeglichener Haushalte an". Doch diese Verpflichtung gilt erst von 2005 an, und wann das Ziel erreicht sein muss, steht nirgends geschrieben.

Verständlicherweise will Eichel jetzt schon Nägel mit Köpfen machen - und stößt dabei auf überraschende Unterstützung. Als Erster eilte ihm sein Stuttgarter Kollege Gerhard Stratthaus zuhilfe. Der in der Kommunalpolitik erfahrene CDU-Mann stellte sich ohne Vorbehalt hinter die Forderung nach einem nationalen Stabilitätspakt. Auch Bundesländer, so der Christdemokrat, müssten ohne Vorbehalt die Maastricht-Kriterien respektieren. Und wenn sie zu viele Schulden machen und damit das Staatsdefizit über das erlaubte Maß hinaustreiben? "Dann müssen diejenigen Strafe zahlen, die das verschuldet haben. Da gilt das Verursacherprinzip."

Inzwischen ist Stratthaus nicht mehr der einsame Rufer in der Wüste, auch wenn andere Landespolitiker noch Rückzugsgefechte liefern. So rügt Hessens Finanzchef Karlheinz Weimar (CDU), dass Eichel den klammen Ländern "einfach einen Stabilitätspakt abverlangt, ohne sich mit uns auseinander zu setzen, wie das bewältigt werden soll". Auch Bayern, das sich bis 2006 einen ausgeglichenen Haushalt verordnet hat, will nicht einfach klein beigeben.