W E L T R A U M Viel Blau im Roten Planeten
Die Nasa enthüllt, was schon im Lexikon steht: Wasser auf dem Mars
Wasser ist die Grundlage des Lebens. Deshalb horchte alle Welt auf, als die Nasa pünktlich zum Beginn des Marsmonats März verkündete: "Es gibt viel Eis auf dem Mars." Als Beleg offerierte sie eine bunte Aufnahme ihrer Sonde Mars Odyssey, die seit einigen Wochen unseren Nachbarplaneten kartiert. Tatsächlich leuchtet auf dem Sensationsfoto der ganze Südpolbereich in sattem Blau. Für jeden Laien ist offensichtlich: Hier ruht ein Ozean. Die übrigen Regionen sind grün, gelb und, marstypisch: knallrot.
Dürfen die zahlreichen Fans des Mars nun wieder hoffen, dass es Leben dort oben gibt oder zumindest gegeben hat? Noch ist der heroische Versuch der Nasa in Erinnerung, fossile Mikrobenspuren in Marsmeteoriten nachzuweisen. Leider hat er die Skeptiker nicht überzeugt, sie verachten den Mars als extrem lebensfeindliche, kalte Wüste. Aber jetzt: Viel Eis!
Gemach. Das neue Marsfoto suggeriert zwar einen Ozean, jedoch mit Falschfarben. Rot und Blau sind austauschbar, veranschaulichen lediglich, wie häufig ein Messgerät an Bord der Odyssey-Sonde von bestimmten Elementarteilchen, nämlich Neutronen, getroffen wurde. Diese Neutronen stammen von der Marsoberfläche und queren in 400 Kilometer Höhe die Bahn von Odyssey. Die Aufnahme beruht auf mittelschnellen ("epithermalen") Neutronen. Odyssey kann auch langsame ("thermale") und schnell fliegende Neutronen messen. Hierzu registriert sie einfach die Zahl der pro Sekunde ankommenden Neutronen (counts per second). Offensichtlich kommen vom Südpol nur zwei sekündlich angeflitzt, aus den roten Regionen hingegen zehn bis zwölf. Was steckt dahinter?
Höchst energetische Strahlung aus dem Kosmos prallt ständig mit ungeheurer Wucht auf den Marsboden. Dort drischt sie lawinenartig Neutronen aus dem Bodenmaterial. Dieser strahlungsbedingte Neutronenschwarm fliegt zunächst in wildem Zickzack durch den Boden. Wie kleine Billardbälle prallen dabei die Neutronen an anderen Atomkernen ab. Manche werden völlig abgebremst, andere aus dem Boden nach oben geschleudert - und zufällig von Odyssey registriert. Da Neutronen fast exakt so schwer sind wie Wasserstoff, kann dieser Neutronen besonders effektiv abbremsen. Im Idealfall sogar abrupt, wie bei einer schnellen Billardkugel, die eine ruhende zentral trifft. Wäre die ruhende Kugel jedoch viel schwerer als die heranfliegende, dann würde Letztere zurückprallen und weiterfliegen.
Genau diesen Billardkugeleffekt hat die Marssonde gemessen. Offensichtlich fliegen vom Südpol und von kleinen Teilen des Nordpols nur wenige Neutronen hoch ins All. Also lagere dort Wasserstoff, folgert die Nasa. Und da Wasserstoff (H2) reichlich in Wasser (H2O) vorkommt, wird flugs daraus: viel Eis. Nun ja, schon seit vielen Jahren steht in Lexika über den Mars: "An den Polkappen, die aus Wassereis (und Kohlendioxideis) bestehen, herrschen Temperaturen bis -130°C."
Die Nasa hat also Bekanntes noch ein bisschen bekannter gemacht. Respekt! Allerdings kann sie eine wichtige Frage nicht beantworten: Wie viel Eis ist es denn, eine dünne Reifschicht, ein tiefer Ozean? Die Messung erlaubt keine quantitativen Aussagen.
Aber keine Bange, bis 2010 wird noch ein Schwarm weiterer Marssonden eintrudeln und nach Wasser und Leben fahnden. Obwohl dort kein Leben existieren kann: Es gibt fast keine Atmosphäre, also keine Atemluft. Es gibt keinen Schutz durch ein Magnetfeld, keinen Hauch einer Ozonschicht. Ungefiltert hagelt tödliche Strahlung in die Tiefkühltruhe Mars.
Dennoch wird munter weitergeforscht. Schließlich brächte ein winziges Marsfossil das echte Glück auf Erden.
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