Hollywood, Amerikas ewiger Quell der Inspiration, schenkt seinem Land ein neues Genre der Unterhaltungskunst. Militainment heißt die Erfindung - das militärische Dokudrama. Reality TV für Fortgeschrittene. Die Kamera soll nicht mehr bloß Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Polizisten begleiten.

Jetzt geht es von der Heimatfront an die Front, wo Amerikas wichtigste Retter in Uniform gerade Dienst tun. Hollywood goes Afghanistan.

Die Filmemacher trainieren schon. Denn das US-Verteidigungsministerium sagt, wer mitkommen wolle zur 101. Division der US-Luftwaffe, müsse in Form sein und bereit für das raue Leben in den Bergen Afghanistans. Hollywood macht alles für so ein Dokudrama von der Front. In 13 Folgen, immer zur besten Sendezeit auf ABC, werden die USA diesen Abenteuertrip im Frühsommer miterleben dürfen.

Dankenswerterweise erzählen alle Beteiligten ganz offen, was sie antreibt.

Wir zeigen, was Amerika sehen will, sagt der Sender ABC, die bewundernswerten persönlichen Geschichten jener Soldaten, die in diesem Krieg die Last des Kampfes tragen. Das US-Verteidigungsministerium findet die Aufgabenstellung ganz prima, eine Gelegenheit, die wir nicht verstreichen lassen dürfen. So kann sich die Regierung teure Imagekampagnen im Werbeblock sparen. Damit die Realität hautnah rüberkommt, verspricht der Produzent: Wir werden nicht kritisieren. Trotzdem wird sich das Pentagon die 13 Teile der Militärsoap anschauen, bevor sie gesendet werden. Das ist keine Zensur, verspricht der Produzent, wir unterhalten uns nur über den Film. Alles eine Vertrauenssache. Man muss schon was vorzuweisen haben, sagt der Produzent weiter, damit die Leute vom Pentagon glauben, dass man ihnen nicht schaden wirds.

Tatsächlich hat der Mann etwas vorzuweisen. Er ist nämlich Amerikas berühmtester Kriegsfilmer und heißt Jerry Bruckheimer. In seinen Werken geht es nicht zu wie in Vietnam-Streifen à la Apocalypse Now oder Platoon, in denen der Krieg sinnlos ist und alle Menschen Schweine sind - die Feinde und die eigenen Vorgesetzten.

Bei Bruckheimer sind Kriege wichtig, Vorgesetzte haben Recht, und die Moral ist aufseiten Amerikas. In Bruckheimers Achtziger-Jahre-Erfolg Top Gun schießt der Held, ein Luftwaffenpilot, alles zusammen, was sich Amerika in den Weg stellt. In Pearl Harbor darf Amerika sich als Opfer wiedererleben.