Zollkrieger Bush
Globalisierung ist nur ein Wort: Amerika verprellt die europäischen Handelspartner
In der Wirtschaftspolitik gibt es immer überzeugende Motive, das Falsche zu tun, besonders vor Wahlen. Der amerikanische Präsident George W. Bush erliegt ihnen allen. Er hat exorbitante Zölle gegen Stahlimporte erlassen.
Auf Dauer schadet dieser Schutzwall den USA selbst. Die Amerikaner müssen ihre maroden, staatlich gepäppelten Stahlkonzerne nun weiter mitschleppen.
Weil der neue Zoll den Stahlpreis steigen lässt, müssen amerikanische Verbraucher ihre geliebten Automobile oder Kühlschränke künftig teurer bezahlen. Selbst schuld. Das Schlimme ist nur: Die anderen Nationen zahlen mit.
Ein Ausrutscher vielleicht? Keineswegs. Auch diese Entscheidung entspricht dem neuen Unilateralismus des Weißen Hauses. Die Amerikaner werden, wenn es ihnen passt, weitere Wirtschaftszweige auf Kosten der übrigen Welt schützen - fast so, als gäben die Terroranschläge von New York und Washington ihnen das Recht dazu. Im Einklang mit der momentanen Seelenlage seines Landes verdirbt Bush mit seiner kleinen Handelskriegserklärung die internationalen Sitten.
Andere Nationen, wie zum Beispiel Japan mit seiner protektionistischen Reispolitik, wähnen sich plötzlich im Recht. Auch die europäischen Subventionsmaschinisten sind weniger geniert.
Stattdessen drehen sie mit an der Protektionismusschraube. Dass infolge des Bush-Zolls mehr Stahl aus der Ukraine oder Südkorea auf ihren Binnenmarkt dringt, werden sie zu verhindern wissen. Der Gedanke, dass Waren aus den USA im möglichen Gegenzug strafverzollt werden könnten, belebt die Fantasie europäischer Lobbyisten. Schon plant die EU Sonderabgaben für amerikanische Fluglinien, die zu Hause subventioniert werden und billig ins Ausland fliegen. Das ginge natürlich zulasten der Amerika-Touristen. Gewiss, der Klügere könnte nachgeben, aber so klug sind die Brüsseler eben auch nicht.
Nur Antiglobalisierer, die den Namen verdienen, darf die amerikanische Zollpolitik freuen: Globalisierung ist kein Naturgesetz, sondern ein Prozess, der auch stecken bleiben kann - wenn die reichen Länder sich rechthaberisch in Protektionismus steigern. Den höchsten Preis zahlen dann die armen Länder, die Bush allerdings geschickt von seinem Schutzzoll ausnimmt. Als ob er nicht wüsste, dass vor allem sie leiden, wenn die Handelssitten verrohen. Nun, vielleicht weiß er es ja wirklich nicht.





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