Sowohl der Rechts- als auch der Linksverkehr haben uralte Wurzeln, erklärt Hans Straßl, Oberkurator beim Deutschen Museum in München. Interessanterweise gehen beide darauf zurück, dass die meisten Menschen Rechtshänder sind. Rechtsverkehr kommt aus der Schifffahrt. "Wenn sich ein Mensch auf einen Baumstamm setzt, dann paddelt er meist auf der rechten Seite", sagt Straßl. Daher auch das Wort "Steuerbord". Begegnen sich zwei Paddler, dann ist es sinnvoll, nach rechts auszuweichen. Man kann sich auch gut am rechten Ufer abstoßen. Auf allen Wasserstraßen der Welt herrscht Rechtsverkehr. Den Linksverkehr prägten Pferdefuhrwerke: Rechtshänder führen das Pferd mit der rechten Hand und gehen am liebsten am Straßenrand, wegen des Gegenverkehrs.

Der Rechtsverkehr setzte sich in Ländern mit starker Binnenschifffahrt wie Deutschland und Frankreich durch. In England und einigen anderen Ländern siegte der Linksverkehr. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden dann die Fahrregeln gesetzlich fixiert. Napoleon schrieb nur fest, was in Frankreich längst Brauch war. Er führte die Regel übrigens auch in Linksfahrländern wie Österreich und Ungarn ein. Sofort nach Abzug der französischen Truppen schwenkten diese Länder wieder nach links. Bis zur Besetzung durch die Nazis im Jahr 1938. Christoph Drösser

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