Kaffee mit Kofi
Recherchieren, analysieren und Kontakte knüpfen - Praktikanten bei den Vereinten Nationen in New York lernen mehr, als nur kopieren
Seit November arbeitet Barbara Pircher vierzig Stunden die Woche - unbezahlt. Die 25-jährige Politologin aus Wien, frisch graduiert, ist Praktikantin beim Bevölkerungsfonds der UN (UNFPA) in New York. Sie schreibt Berichte, wertet Statistiken aus, bereitet Präsentationen vor. Und hofft auf ihre große Chance: "Ich möchte nach dem Ende meines Praktikums weiter hier arbeiten." Vor einem Jahr hat sie sich um den Platz beworben. Da sie sich während des Studiums viel mit Bevölkerungspolitik beschäftigt hatte, standen ihre Chancen gut.
Sie ist eine von rund 1000 Praktikanten, die jedes Jahr in dunklen Anzügen oder Kostümen durch die langen Gänge eilen. Die Hälfte davon wird über das UN-Internship-Programm rekrutiert, das nur für das Sekretariat gültig ist, eines der sechs Hauptorgane der Vereinten Nationen. Das Sekretariat ist die Verwaltungszentrale der Organisation. Die Hauptabteilungen befassen sich unter anderem mit internationaler Sicherheit, Friedensmissionen und Völkerrechtsfragen. Das Praktikum im UN-Sekretariat dauert in der Regel zwei bis drei Monate und kann in elf Abteilungen absolviert werden - von Legal Affairs bis zu Strategic Management.
Die anderen Praktikanten sind, wie Barbara Pircher, so genannte Ad-hocs, die sich bei einer UN-Organisation außerhalb des Sekretariats bewerben.
Beispielsweise beim Entwicklungsprogramm (UNDP) oder Entwicklungsfonds für die Frau (UNIFEM).
Franziska Brantner, 22-jährige Studentin aus Baden-Württemberg, die in Paris internationale Beziehungen studiert, ist eine der Ad-hoc-Praktikanten. Gerade absolviert sie ihr Austauschjahr an der Columbia University und arbeitet gleichzeitig zwei Tage in der Woche im Frauenprogramm UNIFEM, sichtet und evaluiert Projekte. Brantner hatte schon als Schülerin in Freiburg Weiterbildungsveranstaltungen für Frauen aus Mittel- und Osteuropa organisiert. UNIFEM bezahlte damals das Projekt und präsentiert es heute noch als Musterbeispiel junger Frauenarbeit. "Das Beste, was eine Gesellschaft für ihre Entwicklung tun kann, ist Frauenförderung", sagt Franziska Brantner.
Mit ihren 22 Jahren gehört sie zu den Jüngeren unter den Praktikanten.
Jährlich landen bis zu 3000 Bewerbungen auf dem Schreibtisch des Koordinators René Moller, eines 33-jährigen Dänen. "Unsere Praktikanten sind hoch qualifiziert und leisten hervorragende Arbeit. Es sind aber nicht nur die akademischen Qualifikationen wichtig", sagt Moller. "Die UN in New York ist der internationalste Arbeitsplatz, den man sich vorstellen kann - und es ist nicht immer einfach, sich an die diplomatische Welt zu gewöhnen. Deshalb kann die Erfahrung als Kellner hier sehr nützlich sein. Auch als Kellner braucht man oft diplomatisches Geschick."
- Datum 27.03.2002 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14/2002
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