Zum Leben erschreckt
Tausende Schweinswale ersticken jährlich in Fischernetzen. Dänische Forscher entwickelten ein raffiniertes Warnsystem, das die Wale von den Netzen verscheucht
Ein sonniger Wintertag im dänischen Kerteminde. Ein Fischerboot tuckert in den kleinen Hafen, umkreist von kreischenden Möwen. In den Holzkisten auf dem Anleger liegen große Haufen aus feinem Nylongestrüpp - Stellnetze.
Mehrere tausend Kilometer solcher Netze werden täglich in Nord- und Ostsee versenkt, um Kabeljau, Scholle oder Steinbutt zu fischen. Doch auch für die dort heimischen maximal zwei Meter langen, delfinähnlichen Schweinswale sind sie eine Falle. Diese Meeressäuger orientieren sich, ähnlich wie Fledermäuse, mit einem Sonarsystem, das es ihnen auch im trüben Wasser der Nordsee ermöglicht, Fische zu jagen. Die feinen Nylonmaschen aber können sie nicht orten. Wenn die Tiere sich darin verheddern, dann ersticken sie qualvoll.
Das kommt in Nord- und Ostsee jährlich etwa 7500-mal vor - so häufig, dass die Schweinswalbestände auf Dauer gefährdet sind. Das haben auch die Umweltminister der Nordseeanrainerstaaten in der vergangenen Woche im norwegischen Bergen erkannt. Sie beschlossen dort auf der Nordseeschutzkonferenz, der tödliche Beifang müsse um drei Viertel reduziert werden. Aber wie?
Das unsichtbare Netz wird hörbar
Auch den Fischern in Kerteminde tun die unabsichtlich gefangenen Meeressäuger leid. Doch eine Alternative zu den Stellnetzen haben sie nicht. Vor drei Monaten hat einer von ihnen drei tote Schweinswale in seinem Netz gefunden.
Er hat sie zu den Wissenschaftlern ins Fjord- & Bæltcenter gebracht. Dort, auf der anderen Seite des Fjords, gegenüber vom Fischerhafen, arbeitet die französische Biologin Geneviève Desportes.
Sie erforscht die kleinen Meeressäuger. In einem Lagerraum öffnet sie eine große Tiefkühltruhe, in der die drei toten Wale liegen. Der kleinste ist ein 90 Zentimeter langes Jungtier. Tiefe Rillen haben sich in seine Flossen gegraben. "Die kommen von dem Netz, in dem die Wale erstickt sind." Um dieses sinnlose Sterben bald zu beenden, entwickeln die Wissenschaftler im Fjord- & Bæltcenter Techniken, die den Beifang verhindern sollen. So hat sich Kerteminde zu einem Mekka für Schweinswalforscher aus aller Welt entwickelt.
- Datum 27.03.2002 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14/2002
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