Ein Krieg auf Wunsch der Terroristen
Arafat wollte immer mehr, am liebsten ganz Israel. Was er bekam, war Scharon
Wenn, wie in Nahost, Recht gegen Recht und Anspruch gegen Anspruch steht, gibt es nur einen Ausweg: einen Kompromiss, der beiden Seiten zumindest das Nebeneinander ermöglicht. So war es - beinahe. Im Sommer 2000, in Camp David, mussten Israelis und Palästinenser nur noch ein, zwei Schritte tun. Hätte Jassir Arafat die historische Chance ergriffen, säße er vielleicht schon heute in einem Präsidentenpalast in Ost-Jerusalem. Stattdessen starrt er in die Läufe israelischer Panzerkanonen, stattdessen herrscht "Krieg", wie sein Widersacher Ariel Scharon erklärt hat.
In der Osterwoche sind nicht nur 50 Israelis von Terrorbomben zerfetzt worden. Die Strategie des maximalen Mordens zielt vor allem auf die Idee des Kompromisses. Warum sonst wurden pünktlich zum jüdischen Osterfest zwei Dutzend Gläubige umgebracht - in Netanjah, mitten im israelischen Kernland?
Warum schlug der Terror hernach in Haifa zu - in einem Restaurant, wo bislang Juden und Muslime wenigstens privat den Frieden geprobt hatten?
Die zynische Botschaft der "Märtyrer" lautet: Weg mit euch nicht nur aus Hebron, sondern auch aus Haifa. Wir wollen euer Leben so lang vergiften, bis ihr es hier nicht mehr aushaltet. Wer das Daseinsrecht des anderen prinzipiell verneint, kann an einen Kompromiss nicht einmal denken.
Warum diese Totalität des Krieges? Der palästinensische Psychiater Eyad Sarraj nennt als Motiv des Mordens nicht etwa den eigenen Staat, die Befreiung der besetzten Gebiete. Nein, er spricht davon, dass in "jedem Araber der Wunsch nach Rache", nach Beseitigung der "Schande" schlummert, die 1948 zusammen mit dem Staat Israel geboren wurde. Die Botschaft muss selbst jener Mehrheit der Israelis ins Herz fahren, die bislang für palästinensische Staatlichkeit votiert haben. Wie viele Israelis müssen denn sterben, bis die "Schande" ausgemerzt ist? Wer in der staatlichen Existenz des anderen den eigentlichen Tort sieht, wird erst ruhen, wenn der andere nicht mehr existiert.
Wo es um Schmach und Schande, Ehre und Würde statt um Quadratkilometer geht, schmilzt die Verhandlungsmasse auf null zusammen. Deshalb auch das Timing des Terrors vorige Woche. Denn just in diesem Moment hatte in Beirut ein Großteil der Arabischen Liga zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Hand in Richtung Israel ausgestreckt und wenigstens im Prinzip Frieden und Anerkennung offeriert. Das Signal der Bombe (22 Tote) an die arabischen Brüder lautete: "Nein!" Das Kalkül war so schlicht wie vertraut: Die Israelis würden die Provokation mit der Eskalation beantworten und so die arabischen Staaten wieder an die Seite der Palästinenser zwingen.
Noch jedes Mal sind die Israelis in diese Falle getappt. Sie haben ihre Panzer vor- und Jassir Arafat noch mehr in die Enge getrieben. Seitdem aber hat die "normale" Eskalation eine neue, ominöse Qualität erreicht: Zum ersten Mal hat eine israelische Regierung die Teilmobilisierung verfügt. Das Signal an das eigene wie an das andere Volk: Wir befinden uns in einem Existenzkampf, und in dem gelten andere Regeln als in den tagtäglichen Scharmützeln der Intifada.





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