Unternehmen ZerreißprobeSeite 4/4

Ein buntes Stück Textilseil wanderte während des Stuttgarter Seiltages durch die Hände der "Seilfreunde", wie man sich in der Familie nennt. Der Institutsleiter persönlich achtete darauf, dass das gute Stück nicht wegkam.

Das Material: Aramid. Die hochfeste und leichte Polyamidfaser, aus der schusssichere Westen hergestellt werden, wird in Kürze im Aufzugbau Premiere haben. Seit langem ist den Architekten das voluminöse Maschinenhaus über dem Aufzugschacht ein Dorn im Auge. Hier sind Maschine, Getriebe und die große Umlenkrolle untergebracht. Getriebelose Motoren mit einer kleinen Scheibe könnten das bauliche Ärgernis überflüssig machen. Drahtseile indes laufen nicht über kleine Scheiben.

Der Schweizer Aufzugbauer Schindler hat nun ein biegefreudiges, zum Schutz gegen UV-Strahlung und Feuchtigkeit ummanteltes Aramidseil entwickelt, das momentan im Feldversuch in 70 Anlagen läuft. Während ein konventionelles Drahtseil für 400 000 Biegewechsel gut ist, soll ein Aramidseil 27 Millionen Mal über die Rolle laufen können. Und dazu noch den Sicherheitscheck erleichtern: Im Seil integrierte Sensorik ermöglicht die automatische Überwachung des Seilzustandes. Die dreimal höheren Materialkosten gegenüber einem konventionellen Aufzugseil sollen durch Einsparungen bei Maschinenraum und Antrieb kompensiert werden.

Seit den Zeiten des Clausthaler Oberbergrats Albert haben sich industriell genutzte Seile in Aufbau und Material ständig weiterentwickelt, die Stähle wurden besser, die Schmierung optimiert, die Verseilmaschinen arbeiteten immer präziser - doch stets waren es Drahtseile. Das könnte sich bald ändern.

Der Festvortrag zum 100. Geburtstag des Instituts für Fördertechnik jedenfalls ist schon mal angekündigt: Aramidseile und ihre Anwendung.

* Weitere Informationen im Internet:

www.zeit.de/2002/16/seilforschung

 
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