die zeit: Obwohl Sie noch recht jung sind, haben Sie sich schon einen Namen als Hochschulreformer gemacht. Studiert haben Sie alle drei im Ausland.

Stärkt der Ausflug in die Fremde den Willen nach Veränderung?

Stephan Gutzeit: Von außen sieht man mehr. Die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit von Reformen. Humboldt etwa ist im deutschen System so präsent, dass er nicht mehr hinterfragt wird. Jeder nennt ihn, keiner kennt ihn. Ich habe ihn in den USA gelesen und festgestellt, dass seine Ideen im deutschen System keinen Platz mehr haben.

zeit: Warum sind Sie in die USA gegangen?

Gutzeit: Aus Frust. Ich war Abiturient. Ich habe die Studienwahl sehr ernst genommen und alle Schnupperstudienangebote im Radius von 100 Kilometern wahrgenommen. Und merkte: Niemand interessiert sich für mich. Mein Wunsch, auch humanistische Breite zu erfahren, also das zu machen, was die Amerikaner liberal arts nennen, stieß auf Ablehnung. Strenge Konzentration auf ein Fach war die Empfehlung. In Amerika habe ich gesehen, dass es auch anders geht.

Jörg Dräger: Ich habe im Ausland vor allem erfahren, was es für eine Hochschule heißt, in einem Wettbewerbsumfeld zu leben. Da ist der Wettbewerb um Studenten, Professoren und um Geld. In den ersten sechs Semestern an einer deutschen Hochschule war ich Teil einer Masse. In meinem siebten Semester, im amerikanischen Promotionsprogramm, bekam ich plötzlich ein eigenes Büro und war ein asset, ein wertvoller Bestandteil, in den die Hochschule erheblich investiert hat.

zeit: Vom Physiker zum Bildungsreformer. War das geplant?