Wir wandern, uns wundernd, von Wadern nach Wedern. Das ist nichts als die waldige Wahrheit. Von Wadern nach Wedern sind es eineinhalb Kilometer, genauso weit ist es von Wedern nach Wadrill. Und dazwischen liegt Reidelbach.

Dort kehren wir ein am Abend des zweiten Tages unserer saarländischen Hochwald-Wunderung, wie sie das nennen, die wortspielenden Veranstalter.

Wir kehren ein zu Übernachtung, Wildessen und Jägerlatein im Hotel Reidelbacher Hof. Jägerlatein? Genau. Das Gasthaus wird vom örtlichen Jagdpächter geführt, ist beliebt bei Jägern, und wir dürfen uns an ihren Stammtisch setzen.

Vieles ist möglich auf der Kulturwanderung voller Überraschungen, die in diesem Sommer zum ersten Mal angeboten wird. Wir werden barfuß wandern (nicht die ganze Strecke). Werden Schmugglern begegnen (mit einem als Frau verkleideten Ferkel). Werden einerseits essen wie die Eisenleute (alte Getreide- und Gemüsesorten), andererseits wie die Kelten (mit Holzlöffeln, im schicken Hotel). Werden ein paar Steine hochwuchten, die ebenjene Kelten 2500 Jahre vor uns auch schon in der Hand hatten, und ahnen, was das für eine Arbeit war: den Keltenwall bei Otzenhausen anzuhäufen, einen zwei Kilometer langen und zwölf Meter hohen Ring aus Millionen solcher Brocken. Für 13 000 Einfamilienhäuser hätten die gereicht, wird uns der Ausgrabungsleiter erklären. Der hoch gelegene Wall umschloss eine ganze Siedlung, und wir können uns übrigens anmelden: für eins der Archäologieseminare. Aktiv ausgraben inklusive.

Sonst noch was? O ja, eine Menge. Erzgruben, eine Kuhalm, Wellness, Forstmanagement, Hunde im Laufrad (trieben Blasebälge in Schmieden an), Bäume als Buchstaben (dienten in der schriftlosen Keltensprache als zeichenhafte Bedeutungsträger). Und ein Rosenkranz, den Holzfäller brauchen, aber nicht zum Beten: Seine markierten Kugeln werden beim Verlosen von Brennholz im Genossenschaftswald benutzt. Vier Tage Wandern und Wundern im Saarland, 63 Kilometer insgesamt, da passt schon was rein. Viel Wald, vor allen Dingen.

Wald sollte man mögen, für diese Tour.

Das Saarland, so viel wissen wir, ist klein. Zeitungen benutzen es deshalb gern für aussagestarke Vergleiche. Erst kürzlich wieder: Vom Larsen-Schelf in der Antarktis ist eine Eisscholle abgebrochen - "von der Größe des Saarlandes". Wow! So groß war die Eisscholle? So klein ist das Saarland?