Das Massaker"Mal so richtig aufräumen"

Der Mörder Robert S. und seine Welt: Die Website, die Waffen, die Zeugen. von Liane von Billerbeck & Michael Schwelien

Vor zwei Jahren, an einem 26. Februar, war Ron in einen Autounfall verwickelt. Zwei Menschen starben. In zwei Jahren, am 26. Juni, soll der Junge mit der Baseballmütze eigentlich Abitur machen. Aber nach dem 26. April 2002 glaubt er, es sei wohl besser, an einem 26. zu Hause zu bleiben: Jedenfalls, das weiß er jetzt schon, werde er am 26. Juni 2004 nicht aus der Tür gehen.

Ron, aus der Klasse 10a, ist einer von sieben Schülern aus dem Gutenberg-Gymnasium, die ein paar Tage nach der Tat im Erfurter Rathaus zusammensitzen. Sie sind vor den Psychologen geflohen. "Die sagen, ich sei in Sicherheit und labern mich zu", sagt Robert aus der 10c, "aber solange die den zweiten Täter nicht haben, bin ich nicht in Sicherheit." Mit zitternden Händen halten sie die Zigaretten, qualmen eine nach der anderen. Immer wieder fängt einer an zu weinen. Sie umarmen sich dann, streicheln sich beruhigend. Viele von denen, die jetzt auf sie einstürzen, sind ihnen zuwider, besonders die Reporter, die sie mit ihren Kameras attackieren, aber auch die Betreuer, die ihnen doch nur helfen wollen. "Wir brauchen die Psychologen nicht", sagt Ron, "man will nur zu seinen Freunden."

Das ist überall in Erfurt zu sehen: Gruppen von Schülern, aber auch einander fremde Erwachsene bilden Kreise, brechen in Tränen aus, suchen Halt aneinander. Keiner vermag eine Antwort zu geben, aber alle fragen immer wieder: Warum?

Manfred Ruge gehörte zu den Ersten, die an den Ort des Grauens kamen. Der Oberbürgermeister kennt Christiane Alt, die Direktorin des Gymnasiums, schon lange. Gerade im vergangenen Jahr hatten sie viel miteinander zu tun. In Erfurts Partnerstadt Mainz wurde das Gutenberg-Jahr gefeiert. Da gab die Schule ein Buch über den Erfinder des Buchdrucks heraus, das Ruge unterstützte.

Am Nachmittag des schrecklichen Freitags zog Frau Alt ihn in das Schulhaus, das zu dieser Zeit nur Sanitäter und Polizisten betreten durften. "Ich muss Ihnen das zeigen", sagte sie. Mehr nicht. Ruge zögerte. Erst als die leitende Notärztin und der Chef der Feuerwehr ihn begleiteten, wagte er sich in das Gebäude. Ruge ist eigentlich ein beherzter Mann. Er trägt einen kleinen goldenen Stecker im linken Ohr. Zu DDR-Zeiten sollte eines seiner Kinder wegen eines solchen Ohrrings von der Schule fliegen. Aus Protest ließen sich die anderen drei Geschwister auch Ohrringe stechen - und Manfred Ruge auch. "Meine Frau ist Goldschmiedin." Als Ruge nach der Wende das Stasi-Gebäude mitbesetzte, da war ihm auch mulmig, aber er ging einfach rein. Er ahnte, dass das, was er jetzt im Gutenberg-Gymnasium sehen würde, schlimmer als alles sein würde, was er bisher erlebt hatte.

Das Sekretariat. Da liegt hinter der geöffneten Tür die Schulsekretärin Anneliese Schwertner. Sie ist nur flüchtig zugedeckt. Die Tür zum Zimmer der stellvertretenden Schulleiterin steht ebenfalls offen. Rosemarie Hajna sitzt noch auf ihrem Stuhl, Kopf und Oberkörper liegen auf dem Schreibtisch. Sie wurde durch einen Kopfschuss getötet. Ruge kann erkennen, dass die Schüsse aus nächster Nähe abgefeuert wurden. Er geht weiter. An manchen Türen sieht er Kreidekreuze. Er öffnet eine dieser Türen. Da liegt ein Lehrer. Auf dem Boden verstreut Bücher, Hefte, Stifte, Ranzen. Ruge schafft es bis zur ersten Etage: Dann war es einfach zu viel.

Christiane Alt schien ihm viel gefasster. "Aber", sagt er, "ich habe Angst um diese Frau, gar zu starke Personen gehen nicht kaputt, sie explodieren." Die Direktorin hatte Glück. Ihre Bürotür war geschlossen. Der Täter hat sie einfach nicht aufgemacht. Was da genau passierte, vermag noch niemand zu sagen: "Wir stehen doch alle unter Schock."

Bereits zwei Tage nach dem 16-fachen Mord stand für die Polizei fest: ein Einzeltäter. Der Chef der Erfurter Polizeidirektion, Rainer Grube, sprach schon auf einer Pressekonferenz am Sonntag mehrfach vom Täter, benutzte nur noch gelegentlich die Formulierung "mutmaßlicher Täter". Grube scheint überzeugt, dass der 19-jährige Robert Steinhäuser allein handelte, dass er nur mit der Pistole Glock 17, Kaliber 9 Millimeter, und nicht mit der Pumpgun Mossberg 12/76, Modell 590 schoss, dass ihm ferner am 16. Oktober 2001 ein Waffenschein korrekt ausgestellt worden war.

Aber ebenso wie bei Zeugenaussagen stets Skepsis geboten ist, weil Zeugen unter Schock alles Mögliche zu erinnern meinen, müssen auch Verlautbarungen der Polizei mit Vorsicht aufgenommen werden. So ist es durchaus denkbar, dass sie doch nach einem Mittäter sucht, dies aber aus fahndungstaktischen Gründen verschweigt.

Zum ersten Mal setzt die Thüringer Polizei jetzt so genannte Profiler ein. Sie sind speziell geschulte Beamte, die ein Persönlichkeitsprofil des Täters zeichnen. Dabei werden sie auch eine Internet-Seite auswerten, auf der sich Steinhäuser selbst vorstellte. Grube nannte die Adresse der Website nicht. Er verriet aber ein interessantes Detail: Die letzte Präzisierung der Homepage wurde mehrere Stunden nach der Selbsttötung des Täters vollzogen. Der Polizist bot dafür zwei mögliche Erklärungen: Trittbrettfahrer oder eine zweite Person.

Normalerweise muss allerdings eine Person, die eine Homepage verändert, das sie schützende Passwort kennen. Inzwischen wurde die Seite von einem Hacker gelöscht. Die Polizei hatte aber einigen Journalisten vorher einen Ausdruck von Steinhäusers Website ausgehändigt. Dort stellt er sich als 18-jährigen Schüler des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums vor. Er muss die Seite also schon vor einiger Zeit ins Netz gestellt haben, denn am Tattag war er längst 19. Verräterisch ist die Anrede: "Willkommen auf meiner kleinen Weltnetzseite!" Den Ausdruck Weltnetzseite - rein deutsch - verwenden Neonazis. Außerdem hatte er mehrere Links auf seine Seite gestellt. Einer öffnete eine andere Website, auf der man begrüßt wurde mit den Worten: Hallo and Heil Hitler!

Steinhäusers Website kündigt in holprigem und falschem Deutsch an: "Wenn ich erstmal mit der Schule fertig bin, ziehe ich in eine richtige Großstadt wie Leipzig oder Berlin, wo es nicht soviele Idioten gibt. Wahrscheinlich sind die Ninjas dort nicht so blöde wie hier und wollen auch mal richtig aufräumen. So wie ich!!! Aber dafür muss ich dummerweise erstmal mein Abitur schaffen, damit mir meine geizige Mutter mir das Geld zum Leben gibt. Arbeiten will ich nämlich niemals!!!"

Wenn der damals 18-jährige Schüler tatsächlich der Autor des Textes war, dann hat er seine Tat lange vorher angekündigt: "Manchmal habe ich das Gefühl, daß ich jetzt Amok laufen müsste, wenn mir zum Beispiel ein, wenn mich die egoistischen Stasi-Lehrer wieder den ganzen Tag mit ihren Integralrechnungen versaut haben."

Er nennt den Terminator mit Arnold Schwarzenegger seinen Lieblingsfilm: "Da kann man mal so richtig aufräumen!..Wenn ich in der Schule sitze ... stelle ich (mir) gerne vor, wie es wäre, wenn ich mal so wie Arnie durch die Gänge unserer Schule gehen würde und mit einer Pumpgun in jeder Hand all die Idioten bestrafen würde."

Der 18-Jährige bedauert, dass die Bundeswehr ihn als Freiwilligen abgelehnt hatte. Er sei wohl auf sich allein gestellt, wenn er sein eigenes Stahlgewitter bekommen möchte: "Solange aber übe ich mich weiter an meinem Computer, Counterstrike ist übrigens mein Lieblingsspiel."

Keiner seiner Mitschüler scheint ihn richtig gekannt zu haben. Aber es wird viel erzählt. Robert Steinhäuser spielte bis zum Sommer vergangenen Jahres beim SSV Erfurt-Nord Handball. Er stand im Tor, war aber wohl nicht einmal mittelmäßig. Im Januar dieses Jahres soll er zu einem ehemaligen Mitspieler gesagt haben: "Jetzt mache ich nur noch Schützenverein." Sein Sportfreund erinnert sich an einen schwierigen Robert. Einige Mitschüler erzählen dagegen, er wäre oft abends ausgegangen und sei auch nicht unbeliebt gewesen. Die HipHoper unter den Schülern meinen, sie hätten in der Gegend um die Otto-Straße, wo Robert wohnte, ein komisches Gefühl: "Da ist ein bisschen viel Fascho-Power in dem Viertel." Roberts älterer Bruder Peter sagte dagegen der Thüringer Allgemeinen: "Er war kein Rechter."

Polizeichef Grube sprach von geordneten Familienverhältnissen. Es gab keine familiären Verwerfungen.

Auf jeden Fall hat Robert seiner Familie viel verheimlicht. Noch am Tag der Tat glaubte seine Mutter, er ginge zur Abiturprüfung in die Schule. Sie habe ihm dafür Glück gewünscht, sagt die Polizei.

Ein Lehrer beschreibt den Jungen zugleich als gutmütig und großmäulig. Auf einer Klassenfahrt vor zwei Jahren soll Robert sich vor seinen Lehrer Hans Lippe gestellt haben, die Hand wie zu einer Pistole geformt und ihn angeblafft haben: "Du bist tot!" Lippe soll kreidebleich geworden sein. Wieder in Erfurt, erteilte er Steinhäuser dafür einen Verweis. Der Lehrer wurde am Freitag regelrecht hingerichtet.

Robert Steinhäuser fiel im vergangenen Jahr durch die Abiturprüfung. In Thüringen gilt der Grundsatz: Kein Abschluss ohne Prüfung. Wer durchfällt, bekommt hier, anders als in allen anderen Bundesländern, nicht automatisch den Realschulabschluss zuerkannt. Sicherheitshalber versuchte Robert die Realschulprüfung extern, wie es in Thüringen vorgeschrieben ist, an einer anderen Schule zu absolvieren. Auch daran scheiterte er. Nun gab es nur noch eine Chance auf irgendeinen Schulabschluss. Er musste die höchste Hürde nehmen und noch einmal das Abitur versuchen. Weil er sich aber vor den Klausuren fürchtete, blieb er zu Hause, entschuldigte seine Abwesenheit mit gefälschten ärztlichen Attesten. Dabei wurde er erwischt. Und im Februar von der Schule verwiesen - eine besonders harte Konsequenz angesichts der sehr eigenen Prüfungsregeln in Thüringen. Robert war ohne Abschluss.

Seine Eltern erfuhren davon nichts. Denn nun war er volljährig. Alle Post der Schule musste an ihn adressiert werden. Aber auch kein Lehrer rief bei ihm zu Hause an. In den Monaten Februar, März und April muss sich das, was auf der Website als diffuses Rachegefühl erscheint, in Roberts Kopf zum präzisen Mordplan entwickelt haben.

Wie in dem brutalen Computerspiel Counterstrike war der Killer im Gutenberg-Gymnasium darauf aus, seine Opfer aufzuspüren und gezielt niederzustrecken. Polizeichef Grube erzählt, der Täter habe Türen geöffnet, habe sie wieder geschlossen, wenn kein Lehrer zu erblicken war. Wenn er aber einen Lehrer entdeckte, habe er gezielt gefeuert. Die beiden Schüler, die 14-jährige Susann Hartung und der 15-jährige Ronny Möckel, seien durch das Durchschießen einer Tür getötet worden.

Robert aus der Gruppe der Zehntklässler im Rathaus erzählt mit stockender Stimme, was er sah: "Wir haben den Lärm gehört. Unten im Physikraum sind Bauarbeiten. Da haben wir noch Bemerkungen gemacht wie: Die sind zu blöd zum Tragen. Es hörte sich an, als ob ein Schrank die Treppe runterfällt. Viermal, dann Pause, dann noch viermal. Dann wurde uns klar, dass das Schüsse sind - bei uns und über uns. Wir rannten raus. Vor der 103 lag Herr Schwarzer, vor der 101 Herr Wolff. Ein Kumpel hat den Puls gefühlt, am Hals. Wir sind dann nur noch weg und raus."

Jette hatte Unterricht bei Gabriele Klement in 204, einem der Durchgangsräume in der Mitte des Gebäudes. Die Stühle waren zum Sitzkreis geordnet. Jette redet in hastigen Worten. "Vier Mädchen kamen rein. Frau Klement wollte sie schon rausschmeißen. ,Wir sind mit dem Unterricht nicht fertig' ... Die waren aber übelst panisch ... Ich bin mit Frau Klement aus der anderen Tür raus ... Als Letzte ... Und da stand er ... Ich bin an ihm vorbei ... Hab nur die schwarze Maske gesehen ... Er hat geschossen, mit ausgestrecktem Arm. Sie hat versucht, zur Tür zurückzukommen. Sie hat es nicht geschafft."

Die Schüler erzählen auch die Geschichte vom Tod der Referendarin Carla Pott, den sie selber nicht mitansehen mussten. Die 27-jährige Deutsch- und Geschichtslehrerin hatte erst vor zwei Monaten ihre Abschlussprüfung bei ihnen. Ihr Unterricht sei interessant, fast spielerisch gewesen. "Für uns Ältere vielleicht nicht mehr so passend, aber für die Kleinen war es ganz toll." Jette erzählt, was sie gehört hat: "Der Kerl kam rein ... Sie musste sich auf den Boden legen ... Er schoss viermal um sie herum ... Den fünften Schuss in den Kopf."

Der "Counterstrike" endete erst, als es Rainer Heise, der seine Geschichte in mehreren Fernsehinterviews erzählt hat, gelang, Robert Steinhäuser in den Materialraum 111 zu sperren.

Am Tag danach legte sich Bernhard Vogel fest. Der Ministerpräsident Thüringens erklärte nach einer Sondersitzung seines Kabinetts kategorisch: Schulen kann man nicht zu Festungen ausbauen.

Just als im Gutenberg-Gymnasium die tödlichen Schüsse fielen, verhandelte der Erfurter Jugendrichter Holger Pröbstel in dem Fall der Schülerin Katrin G. aus Weimar. Ihr wird zur Last gelegt, dass sie ihre Schule, das Fallersleben-Gymnasium in Weimar, habe abbrennen wollen. Die heute 20-Jährige hatte den Vorhang einer Bühne im Foyer ihrer Schule angezündet. Das Feuer breitete sich schnell aus. Ein couragierter 14-Jähriger ermöglichte seinen Mitschülern die Flucht, indem er eine Tür aufhielt. Nur Minuten später wären vielleicht 446 Schüler und Lehrer erstickt. Auch Katrin G. soll aus Rache gehandelt haben. Sie war zweimal durch die Abiturprüfung gefallen. Richter Pröbstel unterbrach am Freitagmittag die Verhandlung mit den Worten: "Die Realität hat uns überholt."

Nach dem schrecklichen Freitag nehmen Eltern und Schüler nicht mehr alles hin, was ihnen das Kultusministerium vorschreibt. Fieberhaft hatten die Thüringer Behörden am Sonnabend an einem Notplan für das Gutenberg-Gymnasium gearbeitet. Am Sonntagvormittag legten sie den Plan den in einem Ratssaal versammelten Eltern und Schülern vor. Die Klassenstufen des Gymnasiums sollten auf verschiedene Schulen verteilt werden. Die Betroffenen lehnten ab: Wir wollen zusammen bleiben. Kultusministerium, Schulamt und Stadt lenkten sofort ein. Kultusminister Michael Krapp sah es so: Das Gebot der Stunde war, Unglück zu begrenzen.

In den Tagesthemen meldete sich Christiane Alt öffentlich zu Wort. Die Direktorin schien ihre letzten Kräfte zusammengeklaubt zu haben. Hilfe, aber vor allem Ruhe brauchten sie jetzt in Erfurt. Was man nicht brauche, sagte die Frau, die so viele Mitglieder ihres Kollegiums verloren hat, seien Profilierungssucht und Aktionismus.

Am Gutenberg-Gymnasium hatte man sich schon früh mit dem Thema Gewalt befasst, erzählt der ehemalige Bundesrichter und jetzige Vorsitzende des Schulfördervereins, Harald Döhrig, obwohl es keinen Anlass dafür gab. Auf diese Schule ist man besonders stolz in Erfurt. "Wir tragen ein silbernes G am Revers", sagt der Vater, dessen 14- und 16-jährige Söhne dort hingehen, "es steht nicht nur für Gutenberg, sondern auch für gut."

Vielleicht ist es dieser Stolz, der auch die Versammlung im Rathausfestsaal dazu bringt, den Vorschlag für ein Mahnmal vor der Schule abzulehnen. Michaela Seidel, die Schülersprecherin, sagt, gerade noch die Tränen zurückhaltend, sie könne sich nicht vorstellen, sich je wieder einer Matheprüfung zu stellen. An einen normalen Schulbetrieb ist also noch gar nicht zu denken. Andererseits sehnt sie sich nach genau dieser Normalität: "Unsere Schule ist eine Schule und kein Mahnmal."

Trotz des Wirgefühls am Gutenberg-Gymnasium hat niemand Warnzeichen bei Robert Steinhäuser erkannt. Das Wenige, das die Polizei-Ermittler bisher zusammentragen konnten, fasste Ministerpräsident Vogel mit den merkwürdigen Worten zusammen, der Junge sei auffallend unauffällig gewesen. Das ist ein Widerspruch in sich.

Und nicht der einzige. Polizeichef Grube betont, Steinhäuser sei seit anderthalb Jahren Mitglied des Schützenvereins Domblick e. V. gewesen. Das legt nahe, dass er die Waffen mit einer von Verein und Ordnungsamt genehmigten so genannten Waffenbesitzkarte erwerben konnte. Grube kennt, wie gesagt, sogar das Ausstellungsdatum der Karte, den 16. Oktober 2001. Über den eigentlichen Kauf der Glock 17 und der Pump Gun Mossberg sagt er nichts. War die Karte vielleicht gefälscht? Aber, ob legal oder illegal, es bleibt die bittere Wahrheit, dass es auch in Deutschland möglich ist, an schwerste Waffen zu gelangen.

Auch diese Erkenntnis breitet sich aus: Wer mit einer 9-Millimeter-Pistole, die eigentlich nur in die Hände von erfahrenen Polizisten gehört, mindestens 40 Schuss abgeben, wer mehr als fünfmal nachladen und dann noch aus einiger Entfernung den Polizisten Andreas Gorski umbringen kann, der muss lange geübt haben. Und das fällt niemandem auf?

Die lange Vorbereitung, der Plan, der schwarze Ninja-Dress, das passt auf den ersten Blick nicht so recht zum Bild des wild um sich schießenden Amokläufers. In der Zeitschrift Kriminalistik hat Uwe Füllgrabe vor zwei Jahren an den Ursprung des Begriffes erinnert. Gewalttätige Einwohner des malaiischen Archipels wurden Pengamok genannt. Ihre Handlungen wirkten impulsiv, aber nur solange ihnen eine unterstützende Toleranz entgegengebracht wurde. Als sich die Moral änderte und Pengamok gefangen und gevierteilt wurden, wurden Amokläufe schnell seltener. Füllgrabe korrigierte weiter: Die Amokläufer hätten nicht zufällige Opfer umgebracht, sondern rationale Wahlen getroffen. Wie Robert Steinhäuser?

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