Der neue KlassenkampfSeite 3/3
Dabei hatte Deutschland doch alles getan, um die wachsende Ungleichheit einzudämmen - und hat darüber die Pflege der Chancengleichheit vergessen. Die Wirtschaft kann nicht schnell wachsen, der Arbeitsmarkt nicht genügend Jobs schaffen, solange Rekordabgaben und gewerkschaftlich durchgesetzte Standardlöhne sie belasten. Mangels Dynamik zerfällt die Gesellschaft in Chancenreiche und Chancenarme: Deutschland ohne Elan - außer beim Lohnstreik.
Im Namen der Gerechtigkeit mochten die Regierungen Kohl und Schröder den Arbeitsmarkt nicht öffnen und die sozialen Hilfen nicht beschneiden. Im Namen der Gerechtigkeit verteidigen die Gewerkschaften den flächendeckenden Tarif und mauern gegen Niedriglöhne. Eifrig betrieben sie die Angleichung Ost: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, auch wenn es dann kaum noch Arbeit gäbe!
Nun kämpft die IG Metall einmal mehr für einen gerechten Anteil. Doch woran?
Der Streik wird keine Massenentlassungen herbeiführen, wie zornige Arbeitgeber prophezeien, aber noch mehr Arbeitslose erzeugen. Schlössen sich alle in ihrer eigenen Gewerkschaft zusammen, wären sie schon die Stärksten.
Und die Bereicherung der Chefs? Die Vorstände der Großunternehmen verfehlen ihren Job, wenn sie unabhängig von Erfolg oder Misserfolg kassieren möchten.
Viele Vorstände wollen partout auf das Gehaltsniveau ihrer amerikanischen Kollegen klettern und scheren sich keinen Deut um das, was sich in ihrem Land geziemt. Hier bedient sich der Chef. Doch wer hat den deutschen Tycoons die frischen Millionen genehmigt? Ihre Aufsichtsräte. In ihnen sitzen viele gewerkschaftliche Arbeitnehmervertreter. Auch Klaus Zwickel, der Mann mit der schönen Ballonmütze aus dem 19. Jahrhundert.





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