Manuskript Das Gift der KameradschaftSeite 11/11

Man sieht, sie ist etwas recht Dämonisches, recht abgründig Gefährliches, die vielgepriesene, harmlose, schöne Männerkameradschaft. Die Nazis wußten schon, was sie taten, indem sie sie als normale Lebensform über ein ganzes Volk verhängten. Und die Deutschen, mit ihrer geringen Begabung zum individuellen Leben und zum individuellen Glück waren so schrecklich bereit, sie anzunehmen, so willig und gierig, die zarten, hochwachsenden, aromatischen Früchte der gefährlichen Freiheit gegen die bequem zur Hand hängende, üppige, saftig-quellende Rauschfrucht einer allgemeinen, wahllosen, gemein machenden Kameradschaft zu tauschen ...

Man sagt, die Deutschen seien geknechtet. Das ist nur halb richtig. Sie sind zugleich etwas anderes - schlimmeres - wofür es noch kein Wort gibt. Sie sind verkameradet. Ein schrecklich gefährlicher Zustand. Man ist unter einem Zauber dabei. Man lebt in einer Traum- und Rauschwelt. Man ist so glücklich darin und dabei so furchtbar entwertet. So zufrieden mit sich, und dabei so grenzenlos häßlich. So stolz, und so überaus gemein und untermenschlich. Man glaubt auf Gipfeln zu wandeln und man kriecht im Sumpf. Solange der Bann anhält, gibt es fast kein Mittel dagegen ...

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Der vollständige Text erscheint Ende Mai in der Taschenbuchausgabe der "Geschichte eines Deutschen" im Deutschen Taschenbuch Verlag und auch in der nächsten Auflage der gebundenen Ausgabe bei der Deutschen Verlags-Anstalt

 
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