Ausgebombte Lastwagen liegen am Rand der schmalen Schotterstraßen, die sich durch tiefe Schluchten und über karstige Berge ziehen. Trotz des klaren Himmels braust David Shaltiel, dem Kommandeur von Jerusalem, am Wachturm Kastel ein eisiger Wind um die Ohren. Von der Bergspitze sieht er auf Jerusalem hinab: Tag für Tag wird es schwieriger, die Einwohner zu versorgen.

Aus dem Hinterhalt schießen arabische Untergrundkämpfer auf die israelischen Konvois. Für Abdel Kader el-Husseini, den palästinensischen Guerillaführer, ist die Situation kaum besser: Haben seine Männer überhaupt noch eine Chance, den Israelis standzuhalten?

Der israelische Unabhängigkeitskrieg ist längst vorbei, aber für Johanna Möhring ist die Situation ganz gegenwärtig. Die Studentin ist in die Rolle des Kommandeurs von Jerusalem geschlüpft. Neben ihr steht ein Kommilitone alias Abdel Kader el-Husseini. Solche Rollenspiele sind nichts Ungewöhnliches für die Studenten der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University in Washington. Johanna Möhring hat dort einen Master in International Relations gemacht. Um den Unabhängigkeitskrieg von 1948/49 zu studieren, ist sie während der Osterferien 2000 gemeinsam mit 35 Kommilitonen nach Israel gefahren. Ein Besuch im Haus des ehemaligen Premierministers David Ben Gurion stand dabei ebenso auf dem Programm wie ein Abendessen mit dem Sohn von Abdel Kader el-Husseini. Vor der Reise hatten die Studenten in Referaten herausgearbeitet, wer wann welche Interessen verfolgte.

Während hierzulande im Politikstudium oft Theorie in vollen Hörsälen vermittelt wird, können Studenten an amerikanischen Universitäten lernen, wie Politik im Alltag funktioniert. 23 US-Universitäten haben sich in der Association of Professional Schools of International Affairs (APSIA) zusammengeschlossen. Sie bieten allesamt Master-Studiengänge an, die auf eine Karriere in der Politik, bei internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), karitativen Einrichtungen oder auch in globalen Unternehmen vorbereiten. Wer eine solche Professional School nach zwei Jahren verlässt, hat Mikro- und Makroökonomie, Politik und Geschichte gepaukt

er hat in Simulationsspielen nach Konfliktlösungen für Krisenregionen gesucht, anhand von Fallstudien den Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft analysiert und gelernt, wie man Memos und Policy-Empfehlungen für das Außen- oder Wirtschaftsministerium schreibt.

Zu den bekanntesten Professional Schools zählen die School for Advanced International Studies der Johns Hopkins University und die School of Foreign Service der Georgetown University, beide mit Sitz in Washington, aber auch die School of International and Public Affairs an der New Yorker Columbia University und die Woodrow Wilson School in Princeton. Ebenso berühmt sind die Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University und die John F.

Kennedy School of Government der Harvard University, die beide in Boston ansässig sind.