Es war einmal ein kleiner, hässlicher norwegischer Frosch mit einer Würfel-Tätowierung auf der Schulter. Bis letzte Woche gab es eigentlich nichts weiter von ihm zu erzählen, außer dass er früh beschloss, ein Schriftsteller zu werden, und dass es ihn nicht lange in seinem kalten kimmerischen Tümpel hielt.

Einmal war er sogar nach Las Vegas gehüpft, wo er sich mit ein paar koksenden Callgirls beim Quaken filmen ließ. Und auch aus dem trockenen Pakistan gibt es Bilder von ihm, wie er mit den Koranschülern so dasitzt und froh ist, nicht im noch trockeneren Afghanistan zu sein, wo Amerikaner den Staub aufwirbeln. "Ich scheiße auf die Deutschen, sie sind schlechte Menschen", hatte der Frosch mit geblähter Quakblase bei Gelegenheit geschrieben, "sie sind zu nichts anderem zu gebrauchen als zum Fußballspielen". Damit löste er in Norwegen keine Welle der Empörung aus. Wundert es, dass er sein erstes und einziges Buch Verdammt traurig nannte?

Auf einmal änderte sich alles. Denn eine Prinzessin küsste das kleine Reptil, eine leibhaftige norwegische Prinzessin, eine, die partout einen Popliteraten wollte, jawohl: ein Königskind aus dem Feen- und Fjordland, so ein Elfchen (na ja) mit Lust auf gegeltes Schwarzhaar und Abhängen im Partysumpf - jetzt Spaß, endlich, mitten in dieser missmutigen evangelischen Freudlosigkeit und unter Kerlen, die mit Wikingern so viel zu tun haben wie Frösche mit Sauriern. Zu guter Letzt wieder ein Sieg der Liebe im gekrönten Europa, der erste seit Diana, Märtha Louise heiratete also Ari Behn, den Frosch, die Poesie trat ins Leben, oder wie mit Blumen geschrieben auf der Feier zu lesen war: "A loves M".

Noch ist das Volk eher zurückhaltend. Ein Designprofessor, dem die Hochzeitskarten missfielen, unkte: "Es sieht aus wie die Einladung zu einer russischen Mafiahochzeit in Cannes." Das war ungehörig. Von einem "Schwiegersohn aus der Hölle" hetzte die Presse sogar. Wir wissen nicht, ob es in Norwegen einen Adel gibt, Menschen von Stand, die der Prinzessin zum Heiraten einen Gegenkandidaten hätten präsentieren können. Egal, das Land ist endlich angekommen auf seinem zögerlichen Weg in die westliche Kultur, es war höchste Zeit. Denn bisher hat Norwegen außer ein paar Siegen beim European Song Contest nichts Ernsthaftes zum Pop beigetragen. Ari Behn kann aber Sätze machen wie "Sie kletterte an Bord, kaum dass wir angelegt hatten, und hörte nicht auf, bis alle sich in sie entleert hatten." Das elektrisiert. Ari und Märtha. Sie quakeln nun gemeinsam in den Kanälen der Medien, zumindest haben sie 's vor. Märtha Louise hat auch ihr Krönchen zurückgegeben und auf die Apanage verzichtet, die ihr ohne Liebe zur Literatur zugestanden hätte. Mit einem Buch über eine Wanderung durch die norwegische Natur wird nächstes Jahr mehr zu verdienen sein.

Von Kythera aus kommend und glücklich angelegt, ist die gewesene Königliche Hoheit inzwischen auf Tournee, als Märchenerzählerin. Und wenn sie nicht Bankrott gegangen ist, heißt ihre Firma heute noch "Prinzessin Märtha Louises Kulturvermittlung".