Córdoba

Bevor sie ihr Haus verlässt, bereitet sie ein besonderes Essen für ihren zweiten Sohn vor. Der Junge war eine Frühgeburt. Sie brachte ihn im siebten Monat zur Welt. Als Kleinkind war er kränklich. Ihm wurde schnell schlecht.

Er hatte einen Blähbauch. Jetzt ist er neun Jahre alt. Vor zwei Jahren erst fand ein Spezialist heraus, was ihm fehlte. Er verträgt keine Milch und keinen Zucker. Seit er seine Diät bekommt, hat er sich zu einem ganz normalen, aufgeweckten Jungen entwickelt. Aber Cecilia Guerrero

wird, wenn sie demnächst auf eine Reise geht, wohl kaum für ihren kleinen Roberto vorkochen können. Sie wird nach Spanien übersiedeln, nicht völlig legal und zunächst ohne das Recht, ihre Familie nachzuholen. Wie viele tausend Argentinier sieht sie keinen anderen Ausweg aus der Krise, als das Land zu verlassen und dorthin zurückzukehren, wo ihre Großeltern herkamen. Cecilia ist 42. "Wir müssen ein neues Leben beginnen", sagt sie ohne Umschweife, "in Argentinien geht das nicht." Sie ist vor zwei Monaten schon einmal nach Europa gereist. Mit einem Touristenvisum. Sie hatte ihrer Familie versprochen, dass sie binnen vier Wochen eine Arbeit finden und alle nachholen würde.

Ihre Chancen standen gar nicht schlecht. Cecilia hat als junges Mädchen ein Jahr in Wilhelmshaven bei einer deutschen Familie gelebt. Sie spricht sehr gut Deutsch, hat immer wieder Kurse im Goethe-Institut in Córdoba belegt. Als das Institut in dieser zweitgrößten Stadt Argentiniens schloss, hat sie den Sprachunterricht an einer Privatschule fortgesetzt. Bis zur Geburt Robertos arbeitete sie für eine europäische Luftfahrtgesellschaft. Einmal pro Jahr kam sie zu Schulungen nach Europa. Sie kennt sich immer noch gut aus in der Reisebranche. Und in Spanien kann sie leicht heimisch werden, Sprache und Kultur sind für eine Argentinierin kein Problem.

Ein "Onkel" in Spanien

Sie konnte ihr Versprechen dennoch nicht einlösen. Es war so schnell kein Job zu finden. Und sie wollte das Wagnis eines neuen Starts nicht in völliger Illegalität eingehen. Viele Argentinier glauben an die viveza criolla, die kreolische Schläue. Sie halten sich für besonders gerissen, zahlen keine Steuern, umgehen die Gesetze. Cecilia denkt anders. "Ich würde eigentlich auch gern unseren Politikern vertrauen", seufzt sie, "wenn diese nur etwas für das Volk täten." Auch ihr Mann, Guillermo Paz, mag es nicht, wenn Vorschriften missachtet werden. Er ist freiberuflicher Buchhalter und erstellt die Steuererklärungen für kleine und mittlere Firmen, prüft deren Bücher und macht die Lohnbuchhaltung. Córdoba ist eine Universitätsstadt.