Da ist es wieder, das tiefe Misstrauen gegenüber dem Nährstand: Vom größten Skandal der Biolandwirtschaft ist die Rede, auch die habe nun ihre Unschuld verloren. Warum? Weil durch Weizen ein Herbizid namens Nitrofen in die Nahrungsmittelkette eingeschleppt wurde, ein in der EU längst verbotenes Mittel.

Seit vielen Wochen wussten Testlabors und sogar Produzenten von Babynahrung, dass Giftspuren unter dem Ökosiegel verkauft wurden. Sie bemühten sich zwar um Aufklärung im inneren Zirkel - doch sie schlugen nicht öffentlich Alarm.

Das war zwar im Sinne stiller Schadensbegrenzung und angesichts der minimalen Risiken für die Verbraucher auch völlig rational, entspricht aber nicht dem Interesse unserer modernen Prangergesellschaft. Doch jetzt wurden die stillen Fahnder enttarnt. Medien und Politiker üben sich wieder in empörter Aufklärung. Erneut steht eine ganze Branche unter Anklage, diesmal sind die ehrlichen Biobauern die Dummen. Das haben sie genauso wenig verdient wie all die ehrlichen Schaf-, Schweine- und Rinderzüchter, deren ganze Produktionsweise durch Schweinepest, Maul- und Klauenseuche oder BSE in Verruf geriet. Wer die Hand, die ihn ernährt, nicht nur kontrolliert, sondern auch ständig prügelt und dann noch über teure Lebensmittel jammert, ist selbst unglaubwürdig. Hans Schuh